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Arbeitsmarkt: Welche Branchen in den letzten Jahren sichere Jobs hatten


Alltag im Kindergarten: Es fehlt an Fachkräften wie Erzieherinnen.
image alliance/dpa, Swen Pförtner

Erst die Pandemie, dann der Ukraine-Krieg und zwischendrin Schwierigkeiten bei den Lieferketten: Der deutsche Arbeitsmarkt steht schon seit längerem vor großen Herausforderungen.

Dabei zeigen aktuelle Lageberichte der Bundesagentur für Arbeit (BA), dass die Folgen des Ukraine-Kriegs auf die Kurzarbeit bislang noch moderat sind, aber vor allem Branchen wie Maschinenbau, Chemie und Zeitarbeit gefährdet sind.

Wir haben uns die Beschäftigtenzahlen der vergangenen acht Jahre angesehen und zeigen euch, wo am meisten neue Jobs entstanden sind.

Erst die Corona-Pandemie, dann der Ukraine-Krieg. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt jagt eine Krise die andere. Unternehmen sehen sich deshalb vielerorts mit steigenden Energiepreisen und Schwierigkeiten bei den Lieferketten konfrontiert, aber auch damit, ihre Mitarbeiter wieder für Kurzarbeit anmelden zu müssen. Wie etwa zuletzt Autohersteller Audi am Standort Neckarsulm für einige Tage im Mai oder mehrere Fischfabriken in Bremerhaven.

Ausnahmen könnte man denken, schließlich sank die Zahl der Kurzarbeiter im April trotz Ukraine-Krieg. Doch innerhalb der Bundesagentur für Arbeit (BA) scheint die Sorge groß zu sein, dass der Krieg künftig noch dramatischere Folgen für den Arbeitsmarkt haben könnte. In aktuellen Lageberichten befürchtet sie, dass die Zahl der Kurzarbeiter vor allem in den Branchen Maschinenbau, Chemie und Zeitarbeit zunehmen könnte. In anderen Branchen wie dem Kfz- und Zulieferbereich ist das nämlich längst Realität: Die Zahl der Betriebe, die Kurzarbeit im Kontext der Ukraine-Krise anzeigen, hat sich bereits erhöht.

Für viele Arbeitnehmer bieten diese Entwicklungen alles andere als Sicherheit: Inzwischen fürchtet sich mehr als jeder achte Beschäftigte in Deutschland davor, seinen Job aufgrund des Ukraine-Kriegs zu verlieren, zeigt eine Umfrage der On-line-Jobbörse Certainly. Während der Pandemie-Zeit struggle es sogar jeder Zweite. Doch ist die Angst berechtigt? Wir haben uns angesehen, wie sich die Beschäftigtenzahlen der BA in den vergangenen acht Jahren (Juni 2013 bis Juni 2021) und über die Pandemie hinweg entwickelt haben, um herauszufinden, in welchen Bereichen besonders viele sozialversicherungspflichtige Jobs verloren gegangen und wo besonders viele neue hinzugekommen sind.

Die gesellschaftswissenschaftliche Branche hat netto die meisten Beschäftigten eingestellt

Die High 10 der Branchen mit den höchsten Nettozuwächsen, additionally allen neu geschaffenen Stellen minus allen verloren gegangenen Stellen, unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lauten dabei wie folgt:

  • Platz 1: Gesellschaftswissenschaften, additionally Berufe in der Politologie oder Soziologie, mit rund 72 Prozent mehr Beschäftigten (71,9 Prozent).
  • Platz 2: Produkt- und Industriedesign mit rund 65 Prozent Nettozuwachs (65,4 Prozent) unter den Beschäftigten.
  • Platz 3: Softwareentwicklung und Programmierung mit rund 61 Prozent (61,3 Prozent).
  • Platz 4: Psychologie, nichtärztliche Psychotherapie mit rund 52 Prozent (52,30 Prozent).
  • Platz 5: Ernährungs- und Gesundheitsberatung, Wellness mit rund 51 Prozent (50,9 Prozent).
  • Platz 6: Öffentlichkeitsarbeit mit rund 49 Prozent (48,6 Prozent).
  • Platz 7: Überwachung, Wartung und Verkehrsinfrastruktur mit rund 48 Prozent (47,8 Prozent).
  • Platz 8: Immobilienwirtschaft und Facility-Administration mit rund 42 Prozent (42,1 Prozent).
  • Platz 9: IT-Systemanalyse, Anwenderberatung, IT-Vertrieb mit rund 38 Prozent (37,5 Prozent).
  • Platz 10: Erziehung, Sozialarbeit, Heilerziehungspflege mit rund 37 Prozent (36,8 Prozent).

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Interessant dabei: Zwar belegt die Branche Erziehung, Sozialarbeit, Heilerziehungspflege nur Platz 10 im Rating, wenn es darum geht, wie viele sozialversicherungspflichtigen Jobs über die letzten Jahre netto hinzugekommen sind. Sie beschäftigt aber im Vergleich zu den übrigen Branchen mit rund 1,7 Millionen (Stand Juni 2021, 1.659.886) sozialversicherungspflichtigen Angestellten die meisten Menschen. Gefolgt von Softwareentwicklung und Programmierung mit rund quick 300.000 Beschäftigen (281.382, Stand Juni 2021) und IT-Systemanalyse, Anwenderberatung, IT-Vertrieb mit 199.240 Beschäftigten (Stand Juni 2021). In der Branche der Gesellschaftswissenschaften sind hingegen nur rund die Hälfte beschäftigt, knapp 97.000 Menschen.

Doch was lässt aus diesen Zahlen ableiten? Müssen Sozialarbeiter demnach weniger um ihre Jobs fürchten als Beschäftigte in andere Branchen?

Krisensicher sind oft die Branchen, die nicht vom wirtschaftlichen Wachstum abhängen

Ganz so pauschal, lässt sich die Frage nicht beantworten, aber Branchen wie Erziehung und Sozialarbeit, aber auch Software program-Entwicklung und Programmierung haben zumindest einen großen Vorteil, erklärt Arbeitsmarkt- und Berufsforscher Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Enterprise Insider. „Sie sind insoweit krisenfest, als sie nicht durch konjunkturelle Schwankungen aus der Bahn geworfen werden“, sagt er. Damit meint Weber, egal, ob die Wirtschaft in Deutschland wächst oder nicht wächst, benötigt es Jobs in diesen Branchen. Eine Konjunkturkrise wie in den Jahren 2008/2009 mit der Finanzkrise wird keinen Stellenabbau nach sich ziehen.

Beispiel Erzieher oder Erzieherinnen: Mit dem wachsenden Ausbau von Kitas und Ganztagsbetreuung benötigt es auch mehr von ihnen. Vor allem, wenn mehr Frauen in Vollzeit arbeiten wollen. Oder Beispiel ITler: Der Bedarf wird auch hier unabhängig von der Pandemie und dem Ukraine-Krieg weiter steigen, weil es einen Fachkräftemangel gibt, additionally viele Unternehmen, um wenige Arbeitskräfte buhlen. Auch deshalb nehmen Branchen wie Erziehung und Sozialarbeit inzwischen ein viel größeres Gewicht auf dem Arbeitsmarkt ein. Sie können ungestört der wirtschaftlichen Lage Deutschlands wachsen.

Doch wie sieht es in anderen Berufen und Branchen aus?

Die Branche Berg- und Tagebau hat bis Juni 2021 netto die meisten Beschäftigten verloren

Laut den Beschäftigtenzahlen der Bundesagentur für Arbeit gehören die folgenden Branchen bis Juni 2021 zu den zehn größten Branchenverlierer bei den Nettoabgängen von Beschäftigen:

Platz 1: Berg-, Tagebau und Sprengtechnik mit 52 Prozent weniger Beschäftigten.
Platz 2: Kunsthandwerk, Keramik-, Glasgestaltung rund 29 Prozent Nettoverlust (-28,47 Prozent) unter den Beschäftigten.
Platz 3: Moderation und Unterhaltung mit rund 27 Prozent (-27,24 Prozent) weniger Beschäftigten.
Platz 4: Drucktechnik, -weiterverarbeitung sowie Buchbinderei mit einem Minus von 27 Prozent (-27,22 Prozent).
Platz 5: Buch-Kunst-Antiquitäten-, Musikfachhandel mit rund 23 Prozent Minus (-23,21 Prozent).
Platz 6: Fahrzeugführung im Schiffsverkehr mit rund 22 Prozent Minus (-22,3 Prozent).
Platz 7: Technischer Betrieb Eisenbahn, Luft- und Schiffsverkehr mit rund 22 Prozent Minus (-21,67 Prozent).
Platz 8: Wirtschaftswissenschaften mit rund 17 Prozent Minus (-17,16 Prozent).
Platz 9: Fototechnik und Fotografie mit 16 Prozent.
Platz 10: Angehende gesetzgebende Körperschaft, Interessenorganisation rund 16 Prozent Minus (-15,52 Prozent).

Auffällig ist hierbei: Bei quick allen Branchen nahm die Zahl der Beschäftigten bereits seit dem Jahr 2013 kontinuierlich ab. Die Pandemie oder damit verbundenen Lieferkettenschwierigkeiten hatten demnach keinen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung innerhalb der jeweiligen Branchen. Abgesehen von einer Ausnahme: Moderation und Unterhaltung. Hier gab es einen schlagartigen Einbruch der Stellen von knapp über 8000 Stellen im Jahr 2019 runter auf knapp 6000 Stellen im Jahr 2020 und 2021.

Weiterhin zeichnet sich im Rating noch nicht ab, dass Kurzarbeit oder Materialengpässe automatisch in höhere Arbeitslosigkeit, additionally Stellenverlust münden. Arbeitsmarktforscher Weber hat dafür zwei Erklärungen. Erstens: „Langfristig führen Engpässe nicht unbedingt zu weniger Jobs in diesen Branchen, weil sie nicht dauerhaft anhalten“, sagt Weber. Zweitens, so Weber, seien die Fachkräfte in Deutschland viel knapper geworden. „Unternehmen halten ihre Mitarbeiter auch, wenn das Geschäft schlechter läuft, weil sie wissen, wie schwer es ist, die Stelle nachzubesetzen“, sagt der Arbeitsmarktforscher. Welche Jobs oder Branchen jedoch krisenfest seien, hänge von der Artwork der Krise ab.

Als Beispiel führt Weber dafür auch die Pandemie der vergangenen zwei Jahre an: Vor Corona hätte man beispielsweise gedacht, Gastronomie-Jobs seien krisenfest, weil die bisherigen Krisen vor allem die Industrie trafen, etwa die Finanzkrise 2008/2009, sagt er. „In der Pandemie“, so Weber, „zählte die Gastronomie nun plötzlich zu den Hauptbetroffenen, weil Corona keine typische Konjunkturkrise ausgelöst hatte.“

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