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Blockchain-Technik gegen Weinfälscher im Rheingau


Zum zweiten Mal in Folge findet die Rheingauer Weinversteigerung wegen der Pandemie ausschließlich im Internet und nicht im Dormitorium von Kloster Eberbach statt. Damit wird die Tradition der „nassen“ Versteigerung, bei der die mehr als 400 Gäste viele der Auktionsweine unmittelbar vor dem Zuschlag verkosten können, abermals unterbrochen. Für 2023 hofft der Verband der Prädikatsweingüter (VDP) dann wieder auf eine Hybrid-Auktion, die sowohl im Kloster als auch weltweit vor dem Computer Zuschauer und Mitbieter hat.


Oliver Bock

Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

Erstmals werden alle Flaschen der insgesamt 48 Versteigerungspartien unter Einsatz der Blockchain-Technologie abgesichert. Dazu wird jede der fast 3000 Versteigerungsflaschen mit einem sogenannten NFC-Chip versiegelt. Dieser Near-Field-Communication-Chip soll die Authentizität des guten Tropfens garantieren und vor Weinfälschungen schützen.

Von diesem Chip können auf kurze Distanz kontaktlos Daten durch elektromagnetische Induktion übertragen werden. Derartige Chips kommen beispielsweise in Smartphones und Girokarten für das kontaktlose Bezahlen zum Einsatz. Ein Schweizer Unternehmen hat diese Technologie für Weinhandel adaptiert. Die nicht abnehmbaren Chips sind verschlüsselt. Weil sie am Flaschenkopf positioniert werden, erkennt der Chip eine Öffnung der Flasche. Daher sei es nicht möglich, die Flasche zu entkorken und sie später mit einem anderen Wein zu befüllen, teilt der VDP mit.

Zwölf Weingüter an Auktion beteiligt

Diesen Schutz vor Weinfälschungen ermöglicht die Blockchain-Technologie. Der Besitzer der ersteigerten Flasche kann mit seinem Smartphone den Chip scannen und einen digitalen Flaschenzwilling in seinem digitalen Weinkeller sichern. Dadurch werde der Ersteigerer in der Blockchain unveränderbar abgespeichert, und es entstehe eine einzigartige Besitzerhistorie für jede Flasche, heißt es dazu. Der VDP sieht in dieser „innovativen Echtheitsgarantie“ einen Mehrwert für alle Weinenthusiasten, Sammler, Händler und auch für die Weingüter.

An der Weinauktion beteiligen sich insgesamt zwölf Rheingauer Weingüter, deren Weine über acht Kommissionäre versteigert werden. Unter den Hammer von Auktionator Ulrich Allendorf kommen am Samstag unter anderem die seit 2016 eigens für die jährliche Versteigerung abgefüllten „VDP.Auktion.Réserve“-Weine. Insgesamt zehn Spätburgunder-Weine listet der Katalog auf. Besonders hohe Preise werden wieder für ausgewählte Raritäten wie eine 1915er Schloss Johannisberger Riesling Beerenauslese „Dunkelblaulack“ und eine 1972er Spätburgunder Höllenberg Auslese Eiswein der Hessischen Staatsweingüter erwartet.

Aus deren Keller stammt auch der diesjährige Benefizwein. Es ist ein 1952 Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Cabinet, dessen Auktionserlös dem geplanten Motorikzentrum an einer Eltviller Kindertagesstätte zugutekommt. Abermals gibt es auch Weine in großen Sonderflaschen mit einem Fassungsvermögen von bis zu zwölf Litern, die einmalig auf der Auktion angeboten werden. Die beiden Hochheimer Weingüter Künstler und Domdechant Werner haben zudem Sortimentskisten mit jeweils sechs Flaschen unterschiedlicher Jahrgänge eines hochwertigen Weines aus der Spitzenlage Kirchenstück gepackt, damit der Ersteigerer bei einer sogenannten Vertikalprobe nachschmecken kann, wie gut der Riesling reifen kann.



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