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Dax klettert wieder über die 14.000-Punkte-Marke



Düsseldorf Das beherrschende Thema am deutschen Aktienmarkt bleibt der Versuch, einen tragfähigen Boden auszubilden. Der Dax ist zwar am Mittwoch zwischenzeitlich auf ein neues Jahrestief von 13.707 Punkten gefallen, doch es gab genügend mutige Käufer, die den Index anschließend wieder über die Marke von 14.000 Punkten hievten.

Die gegenwärtigen Handelstage sind auf jeden Fall turbulent. Nach einer Handelsspanne von 500 Punkten am Dienstag war der Verlauf am Mittwoch mit einer Spanne von 400 Zählern ebenfalls volatil. Und am Donnerstag beträgt diese Differenz mittlerweile wieder 220 Zähler.

Etwas Hoffnung auf wieder bessere Börsenzeiten signalisiert die aktuelle Umfrage der Börse Frankfurt unter mittelfristig agierenden institutionellen Investoren und Privatanlegern. Natürlich dominieren weiterhin die Nachrichten rund um den Ukrainekonflikt die Entwicklungen an den Märkten.

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Doch das Kurspotenzial einer Rally aufgrund positiver Nachrichten ist deutlich größer als das wahrscheinliche Ausmaß eines weiteren Absturzes, wenn der Konflikt eskalieren sollte – weil kaum ein Anleger aktuell mit einer schnellen Entspannung im Kriegsgeschehen und somit mit einer Rally rechnet.

Short-Wetten als eine Art Sicherheitsnetz

Viele ehemalige Optimisten unter den Profis haben in den vergangenen Tagen – vermutlich mit hohen Verlusten – nicht nur ihre Aktien verkauft, sondern haben anschließend sofort auf fallende Kurse gesetzt. Das ist laut Sentimentanalyse für den weiteren Verlauf an den Aktienmärkten positiv zu werten.

Denn: Diese Anleger müssen sich bei wieder steigenden Kursen von ihren Short-Positionen trennen, damit die Verluste nicht ausufern. Und bei fallenden Kursen ergibt sich bei einer hohen Zahl an Short-Wetten eine Art Sicherheitsnetz, weil diese Profis dann Gewinne durch den Verkauf der Short-Derivate einstreichen dürften.

Solche Spekulationen funktionieren wie ein Leerverkauf bei Hedgefonds. Beim Kauf eines Short-Produkts wird zunächst der Basiswert verkauft und anschließend wieder zurückgekauft, wenn diese Short-Position geschlossen wird.

Allerdings ist für den Verhaltensökonomen Joachim Goldberg nach Auswertung der Umfragedaten „der Anteil der Pessimisten noch längst nicht hoch genug, um im Falle weiterer Kursrückgänge auf substanzielle heimische Nachfrage setzen zu können“. Doch eine „Erholungsrally würde auf wenig Widerstand seitens der von uns befragten Investoren treffen“.

Interessant in dem Zusammenhang ist auch ein Vergleich mit den US-Börsenbarometern. Seit dem offiziellen Kriegsbeginn am 24. Februar hat der Dax rund vier Prozent nachgegeben, während die US-Indizes im diesem Zeitraum leicht gestiegen sind.

Das lässt sich natürlich mit dem Krieg in Europa erklären, der für die USA weit weg ist und die dortige Wirtschaft deutlich weniger belastet. Doch sollte sich diese Differenz ausweiten, dürften europäische und vor allem deutsche Aktien für internationale Fondsmanager wieder interessant werden.

Brent-Ölpreis klettert Richtung 120 Dollar

Die Ölpreise legen angesichts des Kriegs in der Ukraine weiter zu. Am Donnerstag markierten die beiden wichtigsten Erdölsorten Brent und West Texas Intermediate (WTI) die höchsten Stände seit vielen Jahren. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete bis zu 118,20 US-Dollar und damit so viel wie zuletzt im Jahr 2013.

Rubel fällt auf Rekordwert

Der Rubel verliert im Moskauer Handel weiter an Wert. Der Dollar wertete im Gegenzug um 20 Prozent auf 117 Rubel auf und erreichte zwischenzeitlich mit 118,68 Rubel einen neuen Rekordwert.

Der Ratingagentur Fitch zufolge wird das von den USA und der EU ausgesprochene Verbot jeglicher Transaktionen mit der russischen Zentralbank Bank of Russia eine viel größere Auswirkung auf die Kreditgrundlagen Russlands haben als alle früheren Sanktionen. Moody’s zufolge geht die Schwere der Sanktionen „über die ursprünglichen Erwartungen von Moody’s hinaus und wird erhebliche Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit haben“.

Fitch und Moody’s haben entsprechend die Kreditwürdigkeit von Russland auf „Ramsch“-Niveau herabgestuft. Auf die Renditen der russischen Staatsanleihen hat das Auswirkungen. Der Wert für den Staatsbond mit Laufzeitende 2028 stieg von 12,93 Prozent am Vortag auf aktuell 13,93 Prozent.

Die Börse in Moskau bleibt nach Angaben der russischen Zentralbank auch am Donnerstag weitgehend geschlossen. Über das weitere Vorgehen werde man vor 7 Uhr mitteleuropäischer Zeit am Freitag informieren.

Die Indexanbieter MSCI und FTSE Russell streichen russische Aktien aus ihren gängigen Indizes und isolieren damit die Titel von einem Großteil der Fondsindustrie. Umgesetzt werden die Änderungen an der Zusammensetzung der Schwellenländerfonds am 9. März, teilte MSCI in einer Mitteilung am späten Mittwochabend mit.

Die Aussicht auf Rohstoff-Lieferengpässe wegen des eskalierenden Streits Russlands mit dem Westen treibt die Preise an den Metallbörsen immer höher. Aluminium kostet in London mit 3691,50 Dollar je Tonne so viel wie noch nie. Nickel zieht um sechs Prozent auf 27.470 Dollar je Tonne an, nachdem es zuvor bei 27.815 Dollar den höchsten Stand seit April 2011 markiert hatte. Kupfer verteuert sich um 2,5 Prozent auf 10.425 Dollar je Tonne. Sanktionen westlicher Nationen haben die drei größten Containerlinien der Welt dazu veranlasst, Frachtlieferungen von und nach Russland auszusetzen.

Vergleichsweise ruhig verlief am heutigen Donnerstag der Handel mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) , die sich auf Indizes beziehen, die von russischen Aktien gebildet werden. So gab der Lyxor MSCI Russia nur 2,6 Prozent nach. Allerdings beträgt der Wertverlust seit Mitte Februar bereits über 80 Prozent. Dieser ETF legt in GDRs (Global Depository Receipts) an, die, obwohl die Moskauer Börse derzeit geschlossen ist, in London nach wie vor gehandelt werden. Daher hat Lyxor, die jetzt zu Amundi gehören, die Ausgabe und Rücknahme von Anteilscheinen bei diesem ETF bisher nicht ausgesetzt. GDRs soind Hinterlegungsscheine, die das Eigentum an Aktien verbriefen.

Ebenfalls weiter auf der vollelektronischen Plattform Xetra gehandelt wird der ETF der Deutschen-Bank-Tochter X-Trackers MSCI Russia Capped Swap ETF. Seit Mitte Februar ist der Kurs des Indexfonds um rund 70 Prozent abgestürzt. Am heutigen Donnerstag beträgt das Minus acht Prozent.

Aktien mit hohem Anteil an Russland-Geschäften verlieren deutlich

Unter den Einzelwerten rückten europaweit erneut Unternehmen in den Fokus, denen die unsichere Zukunft ihrer Russland-Geschäfte zu schaffen machte. Drohende Belastungen aus dem finanziellen Engagement in Nord Stream 2 drückten die Aktien von Engie um mehr als drei Prozent ans Ende des Pariser Leitindex. Der Energiekonzern bezifferte sein ausstehendes Kreditrisiko im Zusammenhang mit dem vor dem Aus stehenden Ostseepipeline-Projekt auf bis zu 1,1 Milliarden Dollar.

Die Aktien des finnischen Energiekonzerns Fortum rutschen in Helsinki zeitweise um vier Prozent ab. In den vergangenen fünf Handelstagen haben sie mehr als 17 Prozent verloren. Konzernchef Markus Rauramo sagte, alle neuen Investitionsprojekte in Russland seien bis auf weiteres gestoppt. Die Titel der Düsseldorfer Tochter Uniper fielen im MDax um bis zu 11,6 Prozent auf 22,01 Euro auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren.

Blick auf weitere Einzelwerte

GFT: Der IT-Dienstleister hat dank hoher Nachfrage sein Ergebnis im vergangenen Jahr kräftig ausgebaut. Der Vorsteuergewinn konnte sich sogar fast verdreifachen. Für 2022 erwartet der Konzern dank eines hohen Auftragseingangs ein Umsatzwachstum um 20 Prozent. Die Aktie steigt um mehr als sechs Prozent.

Merck: Der deutsche Pharmahersteller kann den Gewinn deutlich steigern und erwartet ein erfolgreiches Jahr. Die Aktie führt die Dax-Gewinnerliste mit einem Plus von 2,7 Prozent an.

Gea: Der für die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie produzierende Anlagenbauer hat im vergangenen Jahr mehr verdient und will seine Aktionäre daran mit einer höheren Dividende beteiligen. Die Anteilseigener sollen je Aktie 0,90 (Vorjahr: 0,85) Euro erhalten. Angesichts des Rekord-Auftragsbestands von rund 2,8 (Vorjahr: 2,3) Milliarden Euro ist der Vorstand zuversichtlich, 2022 weiter zu wachsen. Das Papier gibt aber 3,7 Prozent nach.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.



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