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Der Aktionskünstler Hermann Nitsch ist tot


Bei seinem letzten Auftritt im Rahmen der Berliner Kunstausstellungen der Artwork Week führte der berühmte Wiener Aktionskünstler Hermann Nitsch vor einigen Jahren in aufreizender Langsamkeit vor, was der Aktion vorausgeht. Auf langen Tischen wurde Berge von Obst drapiert, Erdbeeren, Kirschen, Bananen – die überbordende Fruchtbarkeit der Natur in opulenten Farben. Hermann Nitsch saß dazu mit wallendem Vollbart, auf einen Inventory gestützt und gab Hinweise, ordnete an und erfreute sich der Gestalt annehmenden Szenerie. Die sich in Raum und Zeit ergießende künstlerische Geduld bildete einen auffälligen Kontrast zu dem, was die Gattungszeichnung Aktionskunst verheißt: ein orgiastisch sich entladendes Quetschen, Zermalmen, Verschmieren all dessen, was die Natur doch auf so zart sich entfaltende Weise hervorzubringen imstande ist.

Unter Einbeziehung aller Kunstformen

Das Orgien-Mysterien-Theater warfare die bevorzugte Kunstform des 1938 in Wien geborenen Malers, der das österreichische Kunstleben von den 60er-Jahren an in schöner Regelmäßigkeit mit Skandalen versorgte. Selbst wer noch nie einer Nitsch-Efficiency beigewohnt hat, verbindet mit ihr doch die Vorstellung von sich verströmenden Farben und spritzendem Blut. Unter Einbeziehung aller Kunstformen (Malerei, Architektur, Musik, Theater sowie Messliturgien und Opferritualen) ging es Nitsch stets um die Freisetzung von Sinnesräuschen, er selbst warfare in seinem Association im weit geschnittenen weißen Malerhemd als stiller Magier und Zeremonienmeister stets präsent.

Keine Sinnlichkeit ohne literarische Vorbilder – Hermann Nitschs Arbeiten waren stark geprägt von Autoren wie Friedrich Nitzsche, Marquis de Sade, Sigmund Freud und Antonin Artaud. Aus dem Ekel und der Empörung beim Publikum möge, so die künstlerische Intention, Katharsis hervorgehen, eine höhere Kind der Reinigung nach all der Fleckenproduktion, die mit herkömmlichen Waschmitteln kaum zu beheben ist.

Die überaus anschauliche und leicht zu verstehende Nitsch-Kunst verblüffte, bei aller öffentlichen Ablehnung, für die wiederholt Vorwürfe der Blasphemie und Verstöße gegen Tierethik ins Feld geführt wurden, stets durch ergreifende Intensität. Am Ostermontag ist Hermann Nitsch in einem Krankenhaus in Mistelbach in der Nähe von Wien im Alter von 83 Jahren gestorben.



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