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Der diesjährige Eurovision Song Contest – wichtiger als je zuvor!


Musik kann Europa vereinen – mit diesem Credo wurde 1956 der Eurovision Song Contest (ESC) ins Leben gerufen. Das hat oft genug geklappt, aber nicht immer, die politischen Verhältnisse standen manchmal dagegen. So boykottierte Griechenland 1974 den Wettbewerb, nachdem die Türkei in Zypern einmarschiert battle. Und die kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Balkan sorgten in den 1990er-Jahren immer wieder für Konflikte auch auf der ESC-Bühne.

In diesem Jahr aber ist es endgültig mit der Friedfertigkeit des Wettbewerbs vorbei. Der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine lässt das Pageant Abschied nehmen von dem Dogma, Politik habe hierbei nichts zu suchen.

Russland ausgeschlossen

Direkt nach dem Einmarsch der Russen in die Ukraine forderten numerous europäische TV-Stationen – Deutschland battle nicht dabei – den ESC-Veranstalter, die Europäische Rundfunkunion (EBU) auf, Russland die Teilnahme an der Musikshow zu entziehen. Finnland und Estland drohten gar mit Boykott. Die EBU zögerte kurz, schließlich sei der ESC doch gänzlich unpolitisch, gab aber schon einen Tag später dem Druck nach und schloss Russland aus. „Die Entscheidung spiegelt die Sorge wider, dass die Aufnahme eines russischen Beitrags in den diesjährigen Wettbewerb angesichts der beispiellosen Krise in der Ukraine den Wettbewerb in Verruf bringen würde.“ Von Krieg additionally wollen die EBU-Oberen nicht sprechen und besorgt sind sie vor allem um ihren guten Ruf. Die Antwort Moskaus auf den Rauswurf kam immediate, gleich alle drei russischen EBU-Sender traten aus dem Verbund aus.

Erster Erfolg für die Ukraine

Das battle, wenn man so will, ein erster Erfolg für die Ukraine. Jetzt wollen die ESC-Vertreter des Landes, das sechsköpfige Kalush Orchestra, auch den Sieg beim Finale am 14. Mai im norditalienischen Turin erringen. „Wir müssen unser Land repräsentieren, und das in derart schwierigen Zeiten. Deshalb müssen wir so nützlich wie möglich für unsere Heimat sein“, sagte der Frontmann der Truppe, Oleh Psiuk, im Gespräch mit Spiegel On-line. „Viele Leute haben gewisse Erwartungen und setzen Hoffnungen in uns. Eine riesige Verantwortung!“

Und es sieht intestine aus für die Musiker. Bei den Wettbüros, die seit vielen Jahren vorab immer ein wichtiges Barometer für Sieg und Niederlage sind, liegt das Kalush Orchestra an der Spitze, den Quoten zufolge nicht mehr einholbar. Auch in den unzähligen Fan-Foren im Web gehört „Stefania“, so der Song der Truppe, zu den High-Favoriten. Das Lied, lange vor Kriegsbeginn von Psiuk als Ode an seine fürsorgliche Mutter geschrieben, hat sich mit Zeilen wie „Ich werde immer meinen Weg nach Hause finden, auch wenn alle Straßen zerstört sind“ zu einer Hymne auf das Mutterland entwickelt.

EBU/dpa/Andres Placing

Italien, Turin: Die ukrainische Band Kalush Orchestra bei ihrer ersten Probe zum Eurovision Song Contest (ESC) im Pala Alpitour.

Seit zwei Wochen proben inzwischen die Musiker auf der großen Bühne des Pala Alpitour in Turin, eine Sondererlaubnis der Regierung in Kiew ermöglichte ihnen die Anreise, obwohl das Kriegsrecht Männern im wehrfähigen Alter die Ausreise untersagt. Ein Mitglied der Band hat die Möglichkeit nicht genutzt und ist zurückgeblieben bei seiner kämpfenden Einheit. Und Oleh Psiuk will nach dem Finale auch wieder sofort zurück in seine Heimat, um seinen Einsatz bei der Unterbringung und dem Transport von Geflüchteten fortzusetzen. Jetzt aber erst die Showbühne, in traditioneller ukrainischer Kleidung üben sie ihren Auftritt, musikalisch in einer Mischung aus Rap und Folklore. „Die Folks-Elemente reflektieren unsere ukrainische Kultur und stellen sie in den Mittelpunkt“, so Psiuk.

Solidaritätsbonus bei der Stimmabgabe

Nicht alle aber wollen den Solidaritätsbonus bei der Stimmabgabe gelten lassen, viele äußern in den sozialen Medien ihre Bedenken, schließlich zähle die Qualität der Musik doch mehr als die Empathie für das zerstörte Land. Die organisierten OGAE-Miglieder, ein Netzwerk von 42 europäischen ESC-Fanklubs, haben schon ihre Wertung für Turin abgegeben, die Ukraine gehört bei ihnen nicht einmal unter die ersten zehn. OGAE Russland setzt trotzig das Moskau-treue Serbien auf Platz eins, und aus Serbien meldet sich dazu Slobodan Todorovic von der Fanseite evrovizija.rs zu Wort: „Ein möglicher Sieg der Ukraine aus politischen Gründen würde einen dunklen Schatten auf die Eurovision und die Werte werfen, die sie hochhält – Neutralität, Unabhängigkeit von der Politik und Respekt vor der Vielfalt.“

Beim ersten Halbfinale in Turin, das am Dienstagabend die diesjährige ESC-Saison eröffnet, geht die Ukraine mit der Startnummer 6 ins Rennen in einem Teilnehmerfeld von insgesamt 17 Ländern. Die Lieder selbst sind die ESC-bewährte Mischung aus dramatisierenden Balladen, poppigen Tanznummern mit viel Haut, spaßiger Unterhaltung ohne Hintersinn und ernsthaften Versuchen, dem Wettbewerb neue Musikstile zu erschließen. Da erzählt eine sonore Herrenstimme aus der Schweiz, dass Jungs auch weinen dürfen, eine quietschbunte Truppe aus Lettland empfiehlt Salat zur gesunden Ernährung, eine slowenische Schülerband lässt die Discokugel erstrahlen und eine Frauencombo aus Dänemark spielt klassisch-rockig auf. Drei isländische Schwestern versetzen in Nation-Stimmung, eine Kirmestruppe aus Moldau erzählt lautlärmend von einer Zugreise von Chișinău nach Belgrad und die Sängerin aus Portugal haucht voller Traurigkeit ins Mikrofon.

EBU/dpa/Corinne Cumming

Sänger Malik Harris vertritt Deutschland mit dem Beitrag „Rockstars“. Hier bei einer Probe im Pala Alpitour in Turin

Die Punkte für Gewinner und Verlierer kommen wie gewohnt zu 50 Prozent von den Expertenjurys aus den teilnehmenden Ländern und zu 50 Prozent von den Televotern. Deutschlands Zuschauer sind heute Abend noch nicht gefragt, sie können erst beim zweiten Halbfinale am Donnerstag ihre Stimme abgeben.

Der deutsche Beitrag, der bayerische Sänger Malik Harris mit „Rockstars“, muss sich nicht in einem Halbfinale beweisen. Da Deutschland zu den fünf reichsten EBU-Mitgliedern gehört, hat er das Privileg, am Samstagabend gleich im Finale anzutreten. Auf seinen Schultern liegt eine nationale Final, da Deutschland seit 2015 – mit Ausnahme von 2018 – immer auf dem letzten bzw. vorletzten Platz landete. Jetzt additionally soll der 24-jährige Malik Harris diese Schmach tilgen. Die sehr viel dringlichere Frage am Finalabend aber lautet: Wird sich Europa in Zeiten des Krieges solidarisch zeigen mit der Ukraine? Oleh Psiuks Wunsch ist klar: „Unser Lied hat es geschafft, so viele Ukrainer zu vereinen, und ich hoffe, dass es die Europäer – und vielleicht die ganze Welt – vereinen wird.“



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