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Der Showmacher: Frank Elstner feiert 80. Geburtstag


Keine drei Worte haben das Fernsehgefühl der Deutschen in den 70er-Jahren so sehr geprägt wie die schnell gesprochene Begriffskombination „Hund, Katze, Maus“. Das riefen stereotyp die Rateteams, wenn sie in der Present „Montagsmaler“ gebannt auf einen Bildschirm schauten, wo aus einer hingehuschten Strichlinie Begriffe zu erkennen waren. Es kam auf Schnelligkeit und Schlagfertigkeit an, in Gestalt der „Montagsmaler“ wurde der Fernsehnonsens zum heiligen Ernst für Groß und Klein. Dilettantismus paarte sich mit Hyperaktivität und geriet zur gelungenen Feierabendunterhaltung.

Und? Wer hat’s erfunden? Der frühere Radiomoderator Frank Elstner hatte ein unbändiges Gespür für flotten Spielwitz, ohne dabei das Augenmaß zu verlieren zwischen gehobenem Klamauk und gutem Benehmen. Für seine Vorstellungen vom Bildungsauftrag im deutschen Unterhaltungswesen wäre es ihm nicht in den Sinn gekommen, gänzlich ins Trash-TV abzurutschen, wie es ein paar Jahre später, weit nach unten abgesenkt, als Commonplace ausgegeben wurde.

In Würde krank

Der in Österreich geborene, in Baden-Baden aufgewachsene Frank Elstner ist buchstäblich ein Type des Rundfunks. In jungen Jahren hatte er dem „Bambi“ für eine Hörfunkproduktion seine Stimme geliehen. Als Moderator und später auch Programmdirektor der „vier fröhlichen Wellen“ von Radio Luxemburg legte er gewissermaßen den Grundstein für die Attraktivität eines privaten Rundfunksenders, der in den 80er-Jahren den Generalangriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wagte. Da warfare Elstner bereits im etablierten deutschen Fernsehsystem angekommen. Seine Promotion verlief dort über die europäische Wettkampfshow „Spiel ohne Grenzen“, die er von seinem RTL-Kollegen Camillo Felgen übernommen hatte. Nach den „Montagsmalern“ folgte zu Beginn der 80er-Jahre „Wetten, dass ..?“, womit er das verbreitete Phänomen der Volkswette in ein TV-kompatibles Format brachte, das durch die Moderation von Thomas Gottschalk zum größten Erfolg der deutschen Fernsehgeschichte avancierte.

Unermüdlich versuchte sich Elstner an immer neuen Spielideen, aber „Wetten, dass ..?“ warfare nicht zu überbieten. Warum auch? Frank Elstner besann sich für eine eigene Discuss-Sendung („Menschen der Woche“) zudem wieder seiner Qualitäten als Moderator mit der Begabung des Zuhörens – eine Eigenschaft, die Thomas Gottschalk in „Wetten, dass ..?“ weitgehend torpediert hatte.

In den letzten Jahren trat Elstner bevorzugt als zur TV-Geschichte geronnene Legende auf, und er hörte selbst dann nicht damit auf, als er die Diagnose Parkinson erhielt. Selbst als die Symptome der Krankheit nicht mehr zu verbergen waren, thematisierte er dies fernsehgerecht und half so vielen Zuschauern dabei, mit den Folgen der Krankheit würdevoll umzugehen. Für Huldigungen zu seinem 80. Geburtstag durch Freunde und Gäste stand er kurz vor Ostern bereit – in einer Talkshow.



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