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Der Wandertipp: Wasserreich Wetterau


Wasser ist das Lebenselixier der Wetterau. Gleich vier nennenswerte Flüsse durchziehen die Region zwischen Taunus, Vogelsberg und Kinzigtal. Trotz der über Jahrtausende be­triebenen Landwirtschaft blieben stets größere Feuchtgebiete, die erst in jüngerer Zeit für Felder oder Weiden trockengelegt wurden, was wiederum ein Begradigen der Flüsse nach sich zog. Begünstigt durch allgemeines Um­denken bei abnehmender Bedeutung von Ackerbau und Viehzucht hat sich das unterdessen gründlich gewandelt, wozu der 1989 geschaffene „Auen­verbund Wetterau“ mustergültige Schrittmacherdienste leistet. Das ge­samte von Wetter, Nidda, Horloff und Nidder gebildete Flusssystem erfährt seither aufwendige Renaturierungsmaßnahmen und ist jetzt mit 7400 Hektar das größte Biotop in Hessen.

Gut ein Fünftel sind Naturschutz­gebiete (NSG). Zwei von ihnen, die NSG Nachtweid und Mähried bei Florstadt-Staden, wurden bereits Jahre vor Ausweisung des Auenverbundes als Vor­boten veränderten Umweltbewusstseins ausgewiesen. Weit über die insgesamt rund 200 Hektar großen Kern­flächen hinaus entstand eine Graslandschaft, in der scheue Bodenbrüter ideale Rückzugsräume finden. Mit ihren verschiedenen Unterarten wie Teich- oder Blesshühner haben Rallen hier ihre größte Kolonie. Rund 250 Vogelarten werden gezählt.

Zur besseren Übersicht kamen zuletzt einige Schutzhütten vor Wasserflächen hinzu. Natürlich sind aus den Sehschlitzen besser die Großvögel erkennbar, Graureiher, Höckerschwäne und der zum Symbol für intakte Umwelt gewordene Storch. Vielerorts errichtete Nisthilfen bilden da lediglich das augenfälligste Merkmal. Alljährlich werden neue Rekorde aufgestellt – bis zu 100 Paare, mehr als bei einer Bestandsaufnahme 1904. In beiden NSGs drängen drei, vier Junge in luftiger Höhe, bevor sie sich in diesen Tagen erstmals mutig in die Tiefe stürzen.

Seit der Renaturierung genügten kaum 20 Jahre, um aus der seelenlosen Nidda ein Feuchtgebiet zu machen, das im Regenwald angesiedelt sein könnte.


Seit der Renaturierung genügten kaum 20 Jahre, um aus der seelenlosen Nidda ein Feuchtgebiet zu machen, das im Regenwald angesiedelt sein könnte.
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Bild: Thomas Klein


Nur für Burgen ist die flachwellige Wetterau kaum geeignet. Doch warum in die Höhe streben, wenn auch Wasser herrschaftliche Bauten schützen kann. Da gibt es einige beeindruckende Beispiele wie Büdingen oder Bingenheim, und auch in Staden hat man nah am Wasser gebaut. Bereits im 12. Jahr­hundert platzierte man ein Gemäuer zwischen zwei Armen der Nidda.Ob der Graben abschreckte oder die nachmalige Ganerbenburg wenig für kriegerische Auseinandersetzung geeignet schien, die Burg wurde nie zerstört, freilich mehrfach umgestaltet. Davon blieben der mächtige Torturm und der Hauptbau des Ysenburger Schlosses (heute Hotel). Der Wasserreichtum kam später der Anlage von Parks mit exo­tischem Gehölz entgegen, darunter eine Sumpfzypresse, deren Äste rechtwinklig abgeknickt sind.

Wegbeschreibung

Dank seiner verkehrsgünstigen Lage bildet Staden einen guten Ausgangspunkt für Exkursionen in die Nidda-Auen. Bei Start von der Bushaltestelle Am Park (dort auch ein Parkstreifen sowie am Sportplatz) läuft man gegenüber der klassizistischen Kirche durch den Herrenpark mit altem Baumbestand, umgeht das barocke Löw’sche Schloss und gelangt zum Ysenburger Schloss. Rechts vorbei erkennt man etwas versetzt das „Seufzerbrückchen“ von 1684. Den bedachten Fachwerkgang über den Mühlgraben sollen einst unter Weh­klagen die Gefangenen zum linksseitigen Kerker genommen haben. Heute sieht sich die Gemeinde lieber als „Ve­nedig der Wetterau“. An der Landstraße ziehen wir ins Niddatal, biegen aber noch vor der Brücke rechts in den Radweg gen Nieder-Mockstadt.


Außerdem treten sporadisch grüne Schilder des Auenlandwegs auf. Nach zwei „Haken“ durch ein Wäldchen schicken uns die Zeichen in die weite Ebene hinaus, nicht ohne wie zur Be­grüßung ein Storchenmast in unmittelbarer Nähe zu passieren. Jenseits der Autobahn führt der Weg geradeaus zwischen Wiesen und Feldern, ehe er rechts auf Nieder-Mockstadt zuhält. Nahe der äußersten Häuserzeile geht es entlang und am ersten Querweg links; jetzt ohne Radweg und Auenlandweg, der bald rechts vor den freistehenden Gehöften abknickt. Noch eine Kurve, und vorn sichten wir in 400 Meter Entfernung eine Beob­achtungshütte. Sie ist nur per Stich­strecke einzubeziehen. Von unten gesehen, biegt man dann vor den Häusern links ab oder eben gleich rechts.



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