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Der wichtigste Soldat der Bundeswehr: Luftwaffenchef Ingo Gerhartz


Ingo Gerhartz ist seit 2018 Inspekteur der Luftwaffe
image alliance/dpa | Christophe Gateau

Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist klar: Die Bundeswehr soll mit vielen Milliarden aufgerüstet werden.

Ein Großteil des Geldes wird in Projekte für die Luftwaffe fließen, darunter den neuen Kampfjet F-35, bewaffnete Drohnen und eine modernisierte Flugabwehr.

All diese Projekte fallen in den Aufgabenbereich von Ingo Gerhartz, Inspekteur der Luftwaffe.

Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine sprach Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) von einer „Zeitenwende“ für Deutschland. Die Außenpolitik wird neu ausgerichtet, außerdem sollen die Streitkräfte mit einem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro besser ausgestattet werden.

Eine Zeitenwende bedeutet dies auch für die Bundeswehr, denn nachdem jahrelang das Heer im Fokus gestanden hatte, wird nun vor allem auf die Luftwaffe geschaut – und damit auf Ingo Gerhartz, der plötzlich zum wichtigsten Soldaten der Bundeswehr wird. Der 56-Jährige ist Inspekteur der Luftwaffe und somit oberster Vorgesetzter von rund 28.000 Männern und Frauen, die ihren Dienst in dieser Teilstreitkraft leisten.

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Die entscheidenden verteidigungspolitischen Projekte, die jetzt auf den Weg gebracht werden sollen, fallen in seinen Bereich: Dazu zählt die Entscheidung, den Kampfjet F-35 aus amerikanischer Produktion zu kaufen, den derzeit modernsten Kampfjet der Welt. Ausgemacht ist auch, dass Deutschland bewaffnete Drohnen erhalten soll, ein neuer schwerer Transporthubschrauber steht ebenfalls weit oben auf der Prioritätenliste. Neben neuem fliegendem Gerät berät man in Regierung und Parlament ebenfalls hektisch über die Abwehr möglicher Gefahren aus der Luft. Experten battle die Lücke bei der Flugabwehr längst bekannt, doch nun redet ganz Deutschland darüber, wie man im Ernstfall russische Raketen abfangen kann. Derzeit ist im Gespräch, das System „Arrow 3“ aus Israel zu kaufen.

An all diesen Weichenstellungen ist Gerhartz beteiligt. Man kann sich vorstellen, dass er sich persönlich wohl am meisten über die F-35 freut. Denn zwar ist Gerhartz längst im Generalsdienst angekommen, doch sein Herz hängt offenbar weiter an der Fliegerei: Regelmäßig steigt er selbst ins Cockpit, etwa im Oktober 2021 beim Manöver „Blue Flag“ in Israel. So entstehen immer wieder markige Fotos von ihm in Fliegermontur auf dem Rollfeld.

Gerhartz bei einem Nato-Truppenbesuch in Rumänien

Gerhartz bei einem Nato-Truppenbesuch in Rumänien
image alliance/dpa | Christophe Gateau

Seine Karriere bei der Bundeswehr begann 1985, als er zunächst die Offiziersausbildung und später das Coaching zum Kampfpiloten absolvierte. Er flog unter anderem die Phantom II und die MiG-29, die die Bundeswehr aus Beständen der DDR-Streitkräfte übernahm. Als Pilot für den Eurofighter wurde er, bereits im Rang des Generalleutnants, 2020 zugelassen.

Im Jahr 2000 beendete er den Generalstabslehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr. In Afghanistan flog er 2009 Aufklärungsmissionen im Twister. Es folgten verschiedene Verwendungen im Kommando der Luftwaffe und im Verteidigungsministerium, unter anderem als Büroleiter des früheren Generalinspekteurs Volker Wieker. 2018 landete Gerhartz auf seiner jetzigen Place des Luftwaffenchefs. Damals battle er 52 Jahre alt, jünger als alle seine Vorgänger.

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Nach der nun ausgerufenen Zeitenwende wird es seine wichtigste Aufgabe sein, dafür zu sorgen, dass die wichtigsten Rüstungsprojekte einen reibungslosen Begin haben. Denkt man an den Eurofighter oder das Transportflugzeug A400M – Projekte, deren Umsetzung sich ewig hinzog und -zieht –, sieht man, dass das keine leichte Aufgabe wird. Immerhin, Gerhartz gilt in Bundeswehr-Kreisen als hemdsärmeliger Typ, als jemand, der geschickt ist im Umgang mit den Abläufen und Mechanismen des nicht immer leicht zu manövrierenden Berliner Politikbetriebs. Eine Fähigkeit, die er in den kommenden Monaten und Jahren brauchen wird.



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