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El Hotzo auf Twitter: Bloß nicht zu differenziert


„El Hotzo trifft für mich Alltagsbeobachtungen jeder Artwork auf den Punkt, oft überraschend wahr, sehr oft sehr lustig.“ „Er ist ein ignoranter Typ ohne Bezug zu realpolitischer Lebensrealität“. „Nie gehört.“ „Mega geil. Dieser humorvolle Zynismus, mit dem er manchmal Situationen aus unserer Era beschreibt, erheitert mich.“ „Lustig, klug.“ „Witzig, weil er ehrlich ist.“ „Ich bin verwirrt. Ich musste erst mal googeln was oder wer das ist.“ „Mir ist das oft zu negativ irgendwie, und an excessive amount of.“ „Puh, ich verfolg’ das nicht so. Aber hin und wieder poppt was witziges auf.“

Pseudonym: Web-Clown

Was zum Teufel soll mir dieses Feuerwerk an Zitaten sagen, fragen Sie sich vielleicht, und tja, auch ich tippe diese Sätze ein wenig ratlos ab. Ich wollte ja herausfinden, was meine Freunde von dem Satiriker El Hotzo halten, ich hatte vermutet, das wird kein stimmiges Bild ergeben. Nun hat sich das bestätigt. Und jetzt?

Vielleicht sollte ich doch erstmal von vorne anfangen: El Hotzo ist das Pseudonym den Satirikers Sebastian Hotz. Er nennt sich selbst häufig „Web-Clown“. Unternehmen, die auf Influencer-Advertising and marketing setzen, würden das als unterverkauft bezeichnen. El Hotzo hat auf Twitter mehr als 350.000 und auf Instagram mehr als 1,1 Millionen Follower. Wer bislang dachte, nur Bilder mit schönen Gesichtern generierten auf der Plattform viele Likes, der kennt El Hotzo nicht. Er beherzigt, was Philosophie- und Kommunikationstudierende seit Jahrzehnten für Theorie-Klausuren lernen müssen: Den Satz „the medium is the message“. El Hotzo hat Screenshots massentauglich gemacht. Und zwar Screenshots seiner kurzen Tweets auf Twitter, die er dann auf Instagram verbreitet. Er postet jeden Tag zehn auf einmal, und jeden Tag gefällt das mindestens 100.000 Menschen.

Laune: schlecht

Seine satirische Grundhaltung macht El Hotzo in der Instagram-Bio klar: „Laune: schlecht“ steht da und so lesen sich auch die meisten seiner Tweets. „Wann werden die Langzeitwirkungen der Bundesjugendspiele endlich ausreichend erforscht?“ lautet einer, oder: „Hollandaise auch nur arrogante Mayo“, oder: „Stress in Bürojobs ist so humorous, es ist einfach immer noch in einen Bildschirm starren, aber WÜTEND“, oder: „deutsche Bahnhöfe: wie viele Läden brauchst du, die dir das selbe ekelhafte Tomaten-Mozzarella-Sandwich verkaufen? 6 oder 7?“

Ein nicht unerheblicher Teil seiner Tweets ist politisch. Zum Beispiel solche, die jeder Leidgeprüfte sofort unterschreiben würde: „Idee für einen Horrorfilm: du fährst in einer Großstadt Fahrrad“, oder auch überspitzte Gesellschaftskritik, wie: „Deutsche sagen sowas hätte es früher nicht gegeben‘ und ‚sowas‘ ist irgendein grundlegendes Menschenrecht“.

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Immer wieder postet El Hotzo auch politische Statements, die erst nachvollziehbar klingen, beim zweiten Blick aber völliger Quatsch sind. „Nicht böse gemeint, aber ich werde ganz bestimmt nicht für die fucking NATO sterben“, schrieb er etwa zwei Wochen bevor Russland die Ukraine überfiel, ganz so, als könnte man es sich aussuchen, „wofür“ man genau in einem Krieg sterben wolle.

Oder, nachdem sich im Bundestag für keine Variante der Impfpflicht eine Mehrheit fand: „Keine Impfpflicht, Abschaffung Maskenpflicht, keine Quarantäne mehr, tbh lässt sich die Politik von Karl Lauterbach nicht von der eines überzeugten Coronaleugners unterscheiden.“ (tbh steht für „to be trustworthy“, additionally „ehrlicherweise“)



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