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Fadi Kattan ist der interessanteste Koch



Von hier oben lässt sich tief blicken. Fadi Kattan steht auf dem Dach seines Gästehauses in der Altstadt von Bethlehem. Geradeaus ragt der Turm der Geburtskirche in den klaren Himmel, das silberne Kreuz darauf glänzt wie ein Juwel in der Sonne. Hyperlinks daneben reihen sich schmucklose Pilgerhotels aneinander, Bettenburgen aus Beton. Weiter weg, israelische Siedlungen, dazwischen ein palästinensisches Flüchtlingslager. Dahinter erheben sich die sandgelben Berge des Jordantals im Wüstendunst. „Wenn ich hier stehe“, sagt Kattan, „sehe ich das Bethlehem, das ich zeigen will.“

Fadi Kattan, Mitte vierzig, schwarze Haare, schwarze Brille, schwarzer Wollpullover, ist der bekannteste Koch Bethlehems. Seit sieben Jahren führt er hier sein Restaurant „Fawda“, dazu ein Café und Gästehaus. Seit Ausbruch der Pandemie bleibt alles geschlossen. Seitdem kocht Kattan auf Youtube und Instagram, ist jetzt so etwas wie der Meals-Influencer Palästinas und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Im Mai wird er in London ein zweites Restaurant eröffnen.

„Komm, wir gehen einkaufen auf den Markt, das habe ich vor Corona oft mit den Touristen gemacht“, sagt Kattan. Der christliche Teil der Altstadt Bethlehems wirkt wie ein verschlafenes Dorf in Süditalien. Enge Gassen, weiße Mauern, Katzen, die auf Fensterbänken dösen. Mit Spenden der Kirchen, aber auch staatlichen Einrichtungen wie U.S. Assist wurde das Viertel in den vergangenen Jahren restauriert. Rund 30.000 Menschen leben noch in Bethlehem. Seit Jahrzehnten wandern mehr und mehr der Christen der Stadt ins Ausland ab. In der Star Road, in der einst Kunsthandwerker Jesusfiguren und Krippen aus Olivenholz schnitzten, bleiben heute die meisten der Eisentore vor den Geschäften fest verriegelt.

Ein internationales Leben

In den Straßen rings um den Markt reihen sich Imbisse mit Plastikstühlen aneinander. Hähnchenkeulen schwimmen im Frittierfett, auf Tischen vor Geschäften stapeln sich Pullover, Socken, Babystrampler in knalligen Farben und aus billigem Materials. Vor einem Bäcker liegen frisch gebackene Hefeknoten mit Kardamom zum Auskühlen, drinnen schiebt ein Mann mit mehligen Händen rohe Teigfladen in den Feuerofen. „Shrak“, sagt Kattan, „ein traditionelles palästinensisches Brot“, und lässt sich vier der Fladenbrote einpacken.

Fadi Kattan stammt aus einer alteingesessenen Bethlehemer Familie. Die Familie seiner Mutter lebte zeitweilig in Frankreich, der Großvater wurde in Paris geboren und kam zwischen den Weltkriegen nach Palästina zurück. Die Familie des Vaters lebte in Japan und floh während des Zweiten Weltkriegs nach Mumbai. Dort wurde Kattans Vater geboren, später kam er zurück nach Bethlehem, wo auch Kattan geboren wurde und später wiederum für seine Ausbildung nach Paris ging. Er hat die französische Staatsbürgerschaft, spricht Englisch mit britischem Akzent und ist befreundet mit Starköchen wie Yotam Ottolenghi und Massimo Bottura. Wir flanieren weiter über den Markt, Kattan scherzt mit der Gemüsehändlerin und legt dem Obstverkäufer den Arm auf die Schulter. „Der Feinkostladen hier, der hat die besten eingelegten Auberginen“, sagt er dann und tritt in das kleine Geschäft. In Holzbottichen schwimmen eingelegte Oliven, Peperoni und Zwiebeln. In der Vitrine vor dem Tresen liegt Käse, frischer und gereifter, aus Ziegen-, Schafs- und Kuhmilch. Kattan geht zu den Bottichen, nimmt sich zwei Becher, einen füllt er mit eingelegten Mini-Auberginen, gefüllt mit Walnüssen, den anderen mit scharfen Gewürzen gefüllten Oliven. Aus der Vitrine holt er Labaneh, einen salzigen Frischkäse, und schneidet ein großes Stück reiferen, milderen Ziegenkäse ab. Auf ein Holzbrett legt er die frischen Fladenbrote und bestreicht eines mit dem Frischkäse, dazu die fruchtigen Auberginen. Auf das andere kommt der reifere Käse, dazu die Oliven. Dann sagt er: „Hier, probier. So schmeckt Palästina.“



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