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Fleischkonzern Tönnies wirbt ukrainische Flüchtlinge an der Grenze an


Im polnischen Przemyśl kommen viele Flüchtlinge an. Hier wirbt Tönnies offenbar gezielt um Mitarbeiterinnen.
image alliance / ASSOCIATED PRESS | Daisuke Tomita

Der Fleischkonzern Tönnies wirbt an der Grenze zwischen Polen und der Ukraine offenbar gezielt Flüchtlinge als Mitarbeiter an.

Laut einem Bericht des ARD-Magazins „Panorama“ verteilt Tönnies-Private dort Handzettel.

Initiativen und Politiker kritisieren das Vorgehen des Konzerns.

Der Fleischkonzern Tönnies versucht offenbar gezielt ukrainische Flüchtlinge anzuwerben. So berichtet das ARD-Magazin „Panorama“, dass im polnischen Ort Przemyśl nahe der ukrainischen Grenze, Mitarbeiter des Unternehmers Handzettel verteilen, mit denen Ukrainer als Helfer in der Produktion angeworben werden sollen. Einer solcher Flyer liegt der ARD vor.

Auf dem Flyer werden die Konditionen für die Arbeit bei Tönnies aufgelistet:

  • Stundenlohn von 11 Euro
  • steuerfreier Zuschlag für Arbeit am Sonntag, an Feiertagen oder nachts
  • 24 bezahlte Urlaubstage
  • Weihnachts- und Urlaubsgeld

Zudem bietet das Unternehmen laut Handzettel Unterkünfte für 254 Euro im Monat an. Die Miete wird demnach direkt vom Lohn abgezogen.

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Der Tönnies-Konzern bestätigt laut dem „Panorama“-Bericht die Anwerbeversuche. Drei Mitarbeiter seien an die polnisch-ukrainische Grenze entsandt worden, damit sie den Kriegsflüchtlingen ein Arbeitsangebot machen könnten, heißt es von dem Unternehmen.

Ein Tönnies-Sprecher sagte der ARD: „Wir bieten elf Euro die Stunde und liegen damit über dem gesetzlichen Mindestlohn.“ Außerdem werde den Geflüchteten der Transport nach Deutschland und eine Unterkunft angeboten.

Manche finden Tönnies‘ Anwerbeversuche geschmacklos – darunter ist auch Inge Bultschneider von der Interessengemeinschaft „WerkFAIRträge“. Die Initiative setzt sich dafür ein, dass die Arbeits- und Wohnverhältnisse von Migranten in der Fleischindustrie verbessert werden. Bultschneider kritisiert dem Bericht zufolge, dass sich Unternehmenseigentümer Clemens Tönnies bis Kriegsbeginn als Putin-Freund bekannt habe. „Sich am Elend zu bereichern und es als gute Tat zu verkaufen, ist in der Fleischbranche nichts Neues. 2015 bei der Flüchtlingswelle haben wir Ähnliches erlebt“, so Bultschneider.

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Das Unternehmen kann die Kritik offenbar nicht nachvollziehen. „Wir helfen den Kriegsflüchtlingen vor Ort und bieten ihnen eine Zukunftsperspektive“, wird ein Sprecher zitiert. „Wir bereichern uns nicht an der Not der Flüchtlinge.“ Er wies die Worte Bultschneiders zurück: „Das ist eine völlig irre Aussage. Wir tarnen auch nichts als gute Tat.“

Die Grünen-Politikerin Filiz Polat hält das Vorgehen des Konzerns ebenfalls für problematisch. Zwar sei es intestine, dass sich Unternehmen offen für Flüchtlinge zeigten, sagte sie der ARD. „Aber Menschen, die auf der Flucht sind, noch an der Grenze einen Arbeitsvertrag unter die Nase zu halten, hat etwas Unmoralisches und Würdeloses.“

toh



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