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Geld in Kriegszeiten anlegen: Ein Vermögensverwalter gibt Tipps


Christian von Bechtolsheim verwaltet große Vermögen und schreibt regelmäßig für Business Insider

Christian von Bechtolsheim verwaltet große Vermögen und schreibt regelmäßig für Enterprise Insider
FOCAM AG

Der Krieg in der Ukraine verbreitet Panik an der Börse. Wie sollen sich Anleger nun verhalten? Welche Investments lohnen sich?

Vermögensverwalter Christian von Bechtolsheim analysiert die State of affairs. Sein Rat: Nerven bewahren und auf keinen Fall Aktien verkaufen.

„Nach den größten Niederschlägen an den Kapitalmärkten kam es historisch auch kurz danach zu den stärksten Anstiegen“, sagt der Finanzexperte.

Der völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf seinen Nachbarn und ehemaligen „Bruderstaat“ Ukraine hat überall Fassungslosigkeit ausgelöst.

Das unglaubliche, durch nichts zu rechtfertigende Handeln des russischen Präsidenten Wladimir Putins hat nach weitreichenden Embargo-Antworten Europas und der USA nicht nur Folgen für russische Oligarchen, sondern auch für Sparer und Anleger auf der ganzen Welt.

Über Tage hinweg konnten wir ein Abrutschen der Aktienmärkte und im Gegenzug steigende Preise bei Rohstoffen und Gold verfolgen. Panik machte sich breit. Wie sollen die Anleger sich nunmehr verhalten? Verkaufen und Bargeld horten oder weiter Gold kaufen? Hier ist eine Betrachtung vergleichbarer Fälle der Vergangenheit hilfreich.

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„Die wirtschaftliche Bedeutung der Ukraine ist gering“

Wenn wir uns die Verläufe der Aktienmärkte in Kriegszeiten ansehen (siehe Grafik), so möchte ich mehrere Wahrscheinlichkeiten aufzeigen und in meinem Haupt-Szenario gerne eine Beruhigungspille verteilen.

Die Kursentwicklung des Dow-Jones-Index seit 1900

Die Kursentwicklung des Dow-Jones-Index seit 1900
Refinitiv Datastream

Präsident Putin und die Ukraine, unterstützt von den mächtigen westlichen Industrienationen, werden einen Modus Vivendi innerhalb der nächsten Wochen finden.

Die Weltwirtschaft befand sich trotz Corona vor der Ukraine-Krise in robuster Verfassung, und die wirtschaftliche Bedeutung der Ukraine ist gering. Die durch Panik stark steigenden Rohstoff- und Lebensmittelpreise schränken zwar das verfügbare Einkommen und damit die Konsum- und Investitionsbereitschaft ein – die umfangreichen Überschussersparnisse in der westlichen Welt stützen jedoch die mittelfristige Konsumperspektive. Gewinnerwartungen der Unternehmen sind moderat und die Kurs-Gewinn-Verhältnisse im akzeptablen Bereich.

Wenn ein Mandant in diesen Tagen zu mir kommen würde und sich um sein Vermögen sorgt, würde ich ihm deswegen raten: Nerven bewahren, drin bleiben.

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„Die größte Gefahr ist es, ängstlich zu werden“

An folgender Grafik wird erkennbar, dass ein Verlassen des Marktes die Ertragsaussichten historisch immer eingeschränkt hat.

Die Balken zeigen, was passiert, wenn man seine Aktien während einer Krise verkauft

Die Balken zeigen, was passiert, wenn man seine Aktien während einer Krise verkauft
J.P. Morgan

Was wir anhand dieser Balken sehen: Nach den größten Niederschlägen an den Kapitalmärkten kam es historisch auch kurz danach zu den stärksten Anstiegen. Sieben der zehn besten Tage lagen innerhalb von zwei Wochen nach den zehn schlechtesten Tagen.

Wer durchgängig investiert conflict, seine Aktien nicht verkauft hat, konnte somit bei einem Funding in den US-Index S&P 500 professional Jahr im Schnitt eine Efficiency von rund 9,28 Prozent mitnehmen. Wer aber bei den zehn besten Tagen nicht investiert conflict, hätte nur 5,09 Prozent Rendite gemacht – und so weiter.

Die größte Gefahr momentan, ist es, ängstlich zu werden, aus dem Markt zu gehen und beim Anstieg nicht dabei zu sein. Wer Aktien hat, sollte auf keinen Fall jetzt verkaufen.

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Gold ist der sichere Hafen in Zeiten der Krise“

Was gilt neben Aktien?

Ich würde in diesen Tagen eine höhere Goldquote fahren. Gold ist der sichere Hafen in Zeiten der Krise. Es ist wie eine Lebensversicherung. Wenn gar nichts funktioniert, geht das immer. Natürlich muss man auch hier mit Schwankungen leben, aber das ist regular.

Auch ein Funding in den Greenback kann sich lohnen. Aufgrund der Entfernung zu Russland wird der Greenback auch weltweit als „Lender of final Resort“ (deutsch: Kreditgeber letzter Instanz) gesehen – mit Recht.

Ein Funding in die Land- und Forstwirtschaft hat auch einen ganz großen Vorteil: Es geht nicht kaputt. Hier gibt es nur Probleme, wenn man enteignet wird. Deswegen spielen Geo-strategische Überlegungen immer eine wichtige Rolle. Ich würde mir nie in Afrika Flächen kaufen, obwohl es dort sehr gute Wälder gibt. Ich wäre auch sehr restriktiv in Bezug auf Osteuropa, da hier die Eigentumsfrage oft problematisch für den Ausländer ist. Es gibt Länder, wie Neuseeland, da passiert ihnen nichts, sie haben dort eine ordentliche Rendite – und sind weit weg von Putins Truppen. Doch ein Funding lohnt sich nur, wenn das Vermögen groß genug ist. Unter zehn Millionen ergibt das keinen Sinn.

Und natürlich gilt auch in diesen Zeiten: Finger weg von Hedgefonds mit hohem Leverage und Kryptowährungen. Das ist alles zu riskant.

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In einer Dystopie helfe nur dieses Funding

Das sind meine Ratschläge in der aktuellen State of affairs. Ich persönlich halte das Szenario einer in den nächsten Wochen abnehmenden Krise für am wahrscheinlichsten.

Andere leider auch vorstellbare, gleichwohl unwahrscheinliche Szenarien wären ein jahrelanger, zermürbender „Partisanenkrieg“ à la Afghanistan. Denn eines ist gewiss: Russland hat weder die Ressourcen noch die militärischen Fähigkeiten, eines der größten Länder Europas dauerhaft gegen den Willen der Bevölkerung zu besetzen. Eine komplette Zerstörung der Infrastruktur wäre eine weitere grausame und verwerfliche Possibility, aber auch dies würde keinen dauerhaften Siegfrieden bedeuten.

Der taktische Einsatz von Atomwaffen auf dem Gebiet der Ukraine ist letztendlich auch keine Lösung im Sinne des Aggressors, würde allerdings unkalkulierbare Folgen zeitigen.

Sollte die russische Staatsführung in einem Anfall von Irrsinn tatsächlich die Kämpfe auf Nato-Gebiet ausweiten, sprächen wir von einer Dystopie, die mir vorzustellen ich mich weigere.

In solch einem Fall helfe nur noch ein Funding: Klein gestückeltes Gold sowie Grund und Boden, um sein Gemüse selbst anzubauen. Man bräuchte dann natürlich auch eine Waffe, um seinen Besitz gegen all jene verteidigen zu können, die nicht so weise vorausgeplant haben.

*Christian Freiherr von Bechtolsheim ist Gründungspartner der Focam AG. Er verwaltet große Vermögen namhafter Unternehmerfamilien und Stiftungen. Zudem ist er Co-Autor des Buches „Vermögen bedeutet Verantwortung“. Für Enterprise Insider schreibt von Bechtolsheim die Finanzkolumne „Geld & Werte“.



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