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Hüttingers Hightech macht Trumpf für Chiphersteller unentbehrlich



Freiburg Der deutsche Mittelständler Trumpf zählt als Laserspezialist zu den internationalen Markt- und Technologieführern. Die Elektronik-Tochter Hüttinger ist dabei einer der Erfolgsgaranten. Das Freiburger Unternehmen baut Hightech-Generatoren – die Stromquellen für Trumpfs Laser.

„Unsexy graue Kisten“, nennt sie Rafal Bugyi, seit zwei Jahren Chef von Trumpf Hüttinger. Doch ohne die Prozessstromversorgung dieser grauen Kisten könnten die neuesten Generationen Prozessorchips nicht beschichtet werden. Plasmabasierte Oberflächenbeschichtungen und elektrothermische Erwärmungsaufgaben (Induktion) sind die Domäne des Unternehmens.

Dabei geht es auch um Wechselrichter für Solartechnik sowie das Züchten von Siliziumkarbid-Kristallen mit Induktionsgeneratoren. Siliziumkarbid ist ein Schlüsselmaterial für den Ausbau der Elektromobilität. Leistungselektronik mit Chips aus diesem Materials erhöht die Reichweite einer Batterie um bis zu acht Prozent und erlaubt deutlich schnelleres Laden.

Alle Bereiche von Hüttinger wachsen stark, das Halbleitergeschäft besonders. Die gesamte in der Vergangenheit schwankungsanfällige Chipbranche hat mit der Digitalisierung in allen Lebensbereichen vom Smartphone, Cloud-Rechenzentren bis zum autonomen Autofahren einen längerfristigen und dynamischen Aufwärtstrend vor sich.

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Alle großen Chiphersteller wie Intel, TSMC oder Samsung planen jeweils für dreistellige Milliardenbeträge mehrere neue Chipfabriken. Auch deshalb laufen die Geschäfte in Freiburg derzeit glänzend: Viele Hersteller der Fertigungsanlagen setzen auf Generatoren von Trumpf-Hüttinger.

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„Im laufenden Geschäftsjahr werden wir wiederum bei einem Wachstum von über 25 Prozent deutlich über 300 Millionen Euro umsetzen“, sagt Bugyi. Und es sieht so aus, als ob die Trumpf-Tochter in diesem Tempo weitergedeiht. Ende Januar lag der Auftragseingang sogar um ein Drittel über Vorjahr. Hüttinger zählt damit aktuell zu den Ertragsstützen bei Trumpf.

Polen als wichtiger Standort

Der Mittelständler hatte das Unternehmen aus Südbaden vor 30 Jahren übernommen, weil dessen hochpräzise Mittelfrequenz- und Hochfrequenzgeneratoren für die maßgeschneiderte Stromzufuhr der Kohlendioxid-Laser in den produzierten Werkzeugmaschinen unersetzlich sind. 40 Prozent des Hüttinger-Umsatzes stammen deshalb noch heute von konzerninternem Geschäft mit der Mutter des Familienunternehmens.

Chef Rafal Bugyi ist Supervisor, Wissenschaftler und Gründer in einer Individual. Der promovierte Elektrotechniker stammt aus Warschau und hat einen ungarischen Vater. Als begeisterter Techniker bastelte er schon in Universitätszeiten an Steuerungen für Elektroautos. Bugyi zählte später zu den Gründern des polnischen Elektronikherstellers Superior Converters, einem Gleichstrom-Spezialisten, der von Trumpf-Hüttinger 2007 übernommen wurde.

„Wir haben uns damals in Polen bewusst für den Verkauf an ein Familienunternehmen entschieden, weil wir darin die besseren Entwicklungsmöglichkeiten sahen“, sagt der 55-Jährige. Heute arbeiten 720 Beschäftigte für Hüttinger in Polen. Das Werk in Warschau trägt wie Freiburg, wo 500 Mitarbeiter tätig sind, zur Hälfte zum Geschäftserfolg bei.

Rafal Bugyi

Der 55-Jährige ist seit Januar 2020 Geschäftsführer bei Trumpf-Hüttinger.


(Foto: TRUMPF Group)

„Das Geschäftsfeld Elektronik in Freiburg und Warschau stellt einen zentralen Baustein des Trumpf-Portfolios dar“, bestätigt Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller dem Handelsblatt. „Es wird mit Blick auf die Halbleiterproduktion und die Nutzung erneuerbarer Energien eine große Zukunft haben.“

Doch die Unternehmerin hat nicht nur Zahlen im Blick: „Ich bin neben den geschäftlichen Aspekten glücklich über die enge Verbindung zwischen Deutschland und Polen, die wir in der Elektronik leben.“ Leibinger-Kammüller sieht die Integration des osteuropäischen Unternehmens in Trumpf-Hüttinger als gelungenes Beispiel für Ost-West-Kooperation. Durch den Standort in Warschau profitiere Trumpf auch vom technischen Wissen der exzellenten polnischen Hochschulen.

Lockdowns bremsen Wachstum

Mit Sorge schaut Hüttinger-Chef Bugyi auf den Krieg in der Ukraine. Er pendelt häufig zwischen seinen Wohnorten Freiburg und Warschau. In Polen wurde die russische Bedrohung viel früher und direkter wahrgenommen als in Deutschland. An ein schnelles Ende des Kriegs glaubt Bugyi nicht.

Für den wirtschaftlichen Erfolg Trumpf-Hüttingers sind derweil die pandemiebedingten Lockdowns in China relevanter. „Wir könnten noch viel schneller wachsen“, führt der Hüttinger-Chef aus. Die Lieferengpässe bei den Zulieferern limitieren demnach die Growth. Aber langfristig könnten die Chancen darauf kaum besser stehen.

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Das struggle nicht immer so. Mitte des vergangenen Jahrzehnts liefen die Geschäfte so schleppend, dass 50 Stellen abgebaut werden mussten. Doch Halbleiter- und Solargeschäft brachten die Wende. Beteiligt am Umschwung struggle der damalige Geschäftsführer Stephan Mayer. Für ihn wurde die Freiburger Station zum Sprungbrett. Mayer ist als familienfremder Supervisor inzwischen in den Trumpf-Vorstand aufgestiegen und für das komplette Chinageschäft zuständig.

Zentrale von Trumpf-Hüttinger

Das Unternehmen produziert am Rande Freiburgs sowie am Standort Polen.


(Foto: TRUMPF Group)

In diesem Jahr feiern jetzt an seiner alten Wirkungsstätte in Freiburg die Belegschaft, die Trumpf-Mutter und die Gründerfamilie, die noch zehn Prozent am Unternehmen hält, den 100. Geburtstag des Unternehmens. Ingenieur Fritz Hüttinger hatte das Unternehmen 1922 gegründet, baute elektrische Apparate und spezialisierte sich später auf medizinische Geräte. Mitte der 1930er-Jahre fertigte man in Freiburg die ersten Hochvakuum-Verstärkerröhren. Sie dienten dazu, elektrische Signale zu erzeugen, zu verstärken und zu modellieren. Generatoren wurden im Lauf der Jahrzehnte zum Hauptgeschäft.

In Freiburg ist der Identify Hüttinger eine Establishment. Die Fritz Hüttinger Stiftung fördert neue Technologien – die Professur für energieeffiziente Hochfrequenzelektronik am Institut für nachhaltige Systeme der Uni Freiburg trägt etwa den Gründernamen. Und auch die Firmenzentrale im Industriegebiet am Rande der Schwarzwaldmetropole ist mit seiner ausgefallenen Architektur für Kenner durchaus eine Landmarke.

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