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Innovations for Tomorrow Award von Hess Natur: 30 Bewerber


Die besten Ideen haben im Zweifel nicht die eigenen Leute: Das wissen Unternehmer und Supervisor zur Genüge. Deshalb erwerben sie Rechte an neuen Produkten oder gleich ganze Firmen. Ein anderer Weg, an wirtschaftlich interessante Entwicklungen zu kommen, sind Ausschreibungen für Preise, die Begin-ups motivieren sollen. Diesen Weg geht gerade Hess Natur – zum zweiten Mal übrigens. Der deutsche Marktführer für Öko-Mode hat eigens eine Internetseite eingerichtet, reichlich Advertising and marketing-Sprech inklusive. Eine sogenannte Kreislaufwirtschaftsvisionärin macht demnach auch mit: Es muss unter anderem Thekla Wilkening überzeugen, wer mit seiner Geschäftsidee zu nachhaltigen Textilien punkten will. Wilkening sitzt neben sieben anderen Personen in der Jury, außer ihr zwei weitere Frauen, darunter die als Authorized Futurist vorgestellte Abir Haddad. Einer der Juroren zeichnet als Development Scout Way forward for Work Life, so stellt ihn das Unternehmen vor.


Thorsten Winter

Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Predominant-Zeitung.

„Innovations for Tomorrow Award“ nennt der Mittelständler aus Butzbach den Preis. Die Firma übernehme Verantwortung, „nicht nur für die Natur und unseren Planeten, sondern auch für die Menschen, die die Mode herstellen“. So heißt es im Neudeutsch Function genannten Kurzporträt des Firmenziels abseits des notwendigen Strebens nach Gewinn. Es schließt einen Verweis auf die eigene Vergangenheit als Begin-up ein.

Versand naturgemäßer Waren

Vor 45 Jahren gründeten Dorothea und Heinz Hess in Dangerous Homburg ihre Firma. Sie hieß „dorothea hess – Versand naturgemäßer Waren“ – was kaum noch jemand weiß. Die Wetterauer können sich fraglos Pionier auf ihrem Gebiet nennen und Marktführer im deutschsprachigen Raum überdies. Im vergangenen Geschäftsjahr überflügelte der Umsatz vor allem dank guter laufender On-line-Geschäfte erstmals die Marke von 100 Millionen Euro. Weshalb dann dieser Award? Die Frage stellt sich, zumal Hess Natur vor Jahren schon einmal einen ähnlichen Preis ausgelobt hatte und dann vor knapp zehn Jahren trotz durchaus beachtlichen Erfolgs wieder einschlafen ließ: Humanity-in-Vogue-Award lautete der Titel im Einklang mit dem damaligen Marken-Motto.

Der zum Schweizer Finanzinvestor Capvis gehörende Mittelständler sucht ausweislich eigener Angaben kreative Köpfe, die für mehr Innovationen und ein Weiterdenken in der Wertschöpfungskette sorgen, die die Modebranche nachhaltig verändern wollen. Wobei das Wort „nachhaltig“ doppelte Bedeutung haben dürfte: einerseits mit Blick auf grüne Mode, zweitens als langfristiges Engagement angelegt. Auch hier darf der „Function“ nicht fehlen. „Faire und nachhaltige Mode muss der Commonplace werden“, so lautet das Ziel.

Klingt das noch blumig, so legt Hess Natur prosaisch nach: Bewerben sollte sich, wer neben Erfindungsgeist auch Wirtschaftlichkeit und Marktpotential im Sinn hat und bieten kann. Schließlich möchte das Butzbacher Unternehmen nicht zuletzt selbst von erfolgversprechenden Ideen profitieren – so wie andere Firmen auch, die mit Begin-ups zusammenarbeiten: Das kann sich erschließen, wer die Internetseite zum Preis aufmerksam liest. Die Bewerbungsfrist läuft an diesem Donnerstag ab, wobei das Unternehmen sie zwischenzeitlich verlängert hat. „Das Procedere ist nicht unüblich in der Branche“, lässt eine Sprecherin dazu wissen. 30 Begin-ups haben sich bisher beworben. Noch im Mai will Hess Natur die Gewinner bekanntgeben, die jeweils 7500 Euro bekommen sollen nebst Kontakt zum Netzwerk des Textilhändlers.

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Ohne klares Thema

Das wiederum ist für Begin-ups durchaus interessant, wie eine Expertin für Öko-Mode meint, deren Title nichts zur Sache tut. Andererseits bemängelt sie, Hess Natur gebe kein zu bearbeitendes Thema vor. Das könnten etwa neue Stoffe aus in Europa wachsenden Pflanzen sein. Überdies sei die Initiative zweischneidig. Zum einen könnte der Award dahingehend interpretiert werden, die Firma habe neue Ideen von außen nötig. Zum zweiten sei es aber intestine, dass die auf ihrem Gebiet ausgewiesenen Wetterauer den Preis auslobten und nicht eine Firma dies mache, die kaum Erfahrung mit grüner Mode habe.

Dessen ungeachtet muss sich weisen, welche Produkte aus den eingereichten Ideen werden. Der Humanity-in-Vogue-Award struggle stets mit Textilien verbunden, die alsbald im Katalog und auf der Internetseite auftauchten. Nicht alle erwiesen sich dann als Verkaufsschlager.



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