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Jeff Rowe übernimmt Syngentas Pflanzenschutz-Sparte


Syngenta-Logo

Der Agrarchemieriese baut seinen Vorstand um.


(Foto: AFP)

Zürich Jeff Rowe, 49, steigt beim Agrarchemiekonzern Syngenta auf: Der US-Amerikaner übernimmt das Pflanzenschutzgeschäft, die umsatzstärkste Sparte des schweizerisch-chinesischen Konzerns. Das gab Syngenta am Freitag in Basel bekannt. Er folgt auf Jon Parr, der nach 35 Jahren im Konzern im September in den Ruhestand geht. Rowe verantwortete bislang das Saatgutgeschäft. Mit dem neuen Amt positioniert er sich für die Nachfolge von Syngenta-Chef Erik Fyrwald, 62. Beide Manager kennen sich seit ihren gemeinsamen Jahren beim US-Chemieriesen Dupont.

Die Personalie ist Teil eines größeren Vorstandsumbaus: So zieht Matthew Johnston, Chef des Gemüse- und Blumengeschäfts, in den Vorstand ein, wie Syngenta weiter bekannt gab. Ziel sei es, den strategischen Fokus der Einheit zu stärken. Rowes Nachfolger ist Justin Wolfe, der bislang das Nordamerikageschäft der Saatgutsparte leitet.

Syngenta-CEO Fyrwald sagte, er freue sich, „dass mit Jeff und Justin zwei ausgewiesene Experten die Herausforderung angenommen haben, den Wachstumskurs unseres Pflanzenschutz- und Saatgutgeschäfts weiter fortzusetzen und dabei unsere Vision einer regenerativen Landwirtschaft zu verwirklichen“.

Für Rowe ist der Aufstieg der Lohn für einen Saniererjob: Als er 2016 die Verantwortung für das Saatgutgeschäft von Syngenta übernahm, fand er ein tief verunsichertes Team vor. Syngenta, bekannt für Pflanzenschutzmittel, hatte sich seit den 90er-Jahren ein Saatgutgeschäft zusammengekauft. Doch die Zukäufe zogen nicht, die Sparte dümpelte jahrelang vor sich hin. Gegen das spätere Bayer Übernahmeziel Monsanto schien kaum ein Kraut gewachsen.

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Vom Sanierungsfall zum Wachstumstreiber

In wichtigen Pflanzenarten, etwa Soja, hatte Monsanto einen Marktanteil von über 90 Prozent. Die schwache Performance des Saatgutgeschäfts lastete auch auf der Stimmung innerhalb von Syngenta, viele Mitarbeiter seien seinerzeit „zutiefst entmutigt gewesen“, berichten Insider. Zudem sei es Syngenta insbesondere in den USA schwergefallen, talentierte Leute zu halten. Viele seien gewechselt, etwa zu Monsanto oder Corteva.

Jeff Rowe

Der 49-Jährige übernimmt den wichtigsten Geschäftsbereich von Syngenta, das Pflanzenschutzgeschäft.


(Foto:  Syngenta)

Rowe, der aus einer alteingesessenen Farmerfamilie im Mittleren Westen der USA stammt, traf den richtigen Ton bei Kunden, in der Belegschaft – und die richtigen Entscheidungen. Er verlagerte den Firmensitz des Saatgutgeschäfts von Minneapolis nach Chicago, das Zentrum des „Maisgürtels“ in den USA. Auch stellte er das Vertriebsteam neu auf. Nähe und Kundenfokus waren die Grundpfeiler seiner Strategie. Als Farmer in fünfter Generation kannte Rowe die Sorgen und Nöte seiner Kunden.

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Zudem bewies er ein glückliches Händchen bei Firmenübernahmen: Mit dem Kauf von Nidera im Jahr 2018, damals der größte Zukauf der Firmengeschichte, gelang es Rowe in Lateinamerika, die Marktposition für Saatgut schlagartig zu verbessern.

Erfolge stellten sich zügig ein: Innerhalb von fünf Jahren hat Rowe aus dem Sorgenkind des Konzerns einen wichtigen Wachstumstreiber gemacht. Der Umsatz wuchs von 2,7 Milliarden Dollar im Jahr 2016 auf 4,1 Milliarden Dollar 2021 an. Allein zwischen 2020 und 2021 legte der Umsatz um 24 Prozent zu. Damit wuchs Syngenta deutlich schneller als die Konkurrenten Bayer und BASF. Im ersten Quartal 2022 legte der Umsatz der Saatgutsparte ebenfalls deutlich zweistellig zu, wenn auch nicht so rasant wie das Pflanzenschutz- oder das Chinageschäft.

Parallel dazu machte sich Rowe die Schwäche der Konkurrenz zunutze: Während sich Bayer in einer Übernahmeschlacht mit Monsanto verstrickte und zudem die Glyphosat-Klagen das Unternehmen belasteten, ging es bei Syngenta wieder aufwärts. Bei Soja und Mais gelang es beispielsweise Marktanteile zu gewinnen. Die Folge: Statt Talente an die Konkurrenz zu verlieren, schaffte es Rowe, sein Team mit Topmanagern der Konkurrenz zu besetzen. Bestes Beispiel ist sein Nachfolger Wolfe, den er von Monsanto zum schweizerisch-chinesischen Konzern lotste.

Investoren wollen Synergien sehen

Rowes neue Aufgabe ist ungleich wichtiger. Das Pflanzenschutzgeschäft trägt gut 50 Prozent zum Syngenta-Umsatz bei. Der US-Amerikaner muss das Saatgut- und Pflanzenschutzgeschäft enger verzahnen und weitere Synergien heben. Das wollen insbesondere die Investoren sehen. Syngenta strebt noch in diesem Jahr an die Börse in Peking. Zu einem späteren Zeitpunkt soll eine Zweitnotiz in der Schweiz folgen. Das derzeit schwierige Marktumfeld für Börsengänge sowie der chinesische Börsenbetreiber hatten zuletzt für einige Verzögerungen gesorgt. CEO Fyrwald hatte sich kürzlich jedoch optimistisch geäußert, dass der Börsengang noch in diesem Jahr gelingt.

Das wird allerdings eine Herausforderung. Denn der Eigner, der chinesische Staatskonzern Chemchina, hatte 2015 satte 43 Milliarden Dollar für Syngenta bezahlt und das Unternehmen von der Börse genommen. Seither hat Chemchina das eigene Pflanzenschutz- und Saatgutgeschäft eingebracht. Nun peilt Syngenta eine Bewertung von möglichst über 50 Milliarden Dollar an, was angesichts der aktuell schlechten Stimmung an den Finanzmärkten als ambitioniert gilt.

Die Performance des Pflanzenschutzgeschäfts ist daher für den Erfolg des Börsengangs von zentraler Bedeutung. Sollte Rowe die Erwartungen erfüllen, könnte er für Höheres berufen sein: Fyrwald könnte sich nach dem Börsengang und einer Übergangsphase aus dem operativen Geschäft zurückziehen – ein inter Kandidat für die Nachfolge stünde mit Rowe bereit.

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