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Jesus, Ausflüge, Eier, Schokohasen: Warum feiern wir Ostern?


Laut aktuellen Hochrechnungen sind das erste Mal seit Jahrhunderten weniger als die Hälfte der Deutschen Mitglied in der katholischen oder evangelischen Kirche. Das Wort „Ostern“ kennt trotzdem noch jedes Type. Nur warum es gefeiert wird, das wissen immer weniger Menschen. Dabei ist das auch für Nichtgläubige eine spannende Geschichte, in der sich verschiedene Traditionen und Kulturen zu einer großen Idee verbinden.

Maren Kaschner

Zum Autor

Anselm Neft, geboren 1973 bei Bonn, studierte abseitige Fächer (darunter: Theologie), schrieb seine Magisterarbeit über zeitgenössischen Satanismus, verschliss Jobs vom Tellerwäscher bis zum Unternehmensberater und lebt heute als freier Autor und Schriftsteller in Hamburg. Dort betreibt er den Literaturpodcast „laxbrunch“ und schreibt Artikel und Bücher. Sein neuester Roman heißt „Späte Kinder“ und ist im Rowohlt-Verlag erschienen.

Die genaue Bedeutung des Wortes „Ostern“ ist ungesichert. Laut dem Duden leitet es sich wie das englische „Easter“ vom altgermanischen Wort für „Morgenröte“ ab. Ob sich der Begriff dabei auf ein germanisches Frühlingsfest, eine angelsächsische Göttin oder den Osten bezieht, in dem die Sonne aufgeht, ist nicht abschließend geklärt. Da sich zum Osterfest bei Sonnenaufgang viele neue Christen taufen ließen, vermutet der Namensforscher Jürgen Rudolph auch eine Verbindung zu nordgermanischen Wörtern wie austr („begießen“) und die Anknüpfung des christlichen Taufritus an heidnische Wasser- und Fruchtbarkeitsriten zur Frühlingszeit.

Tod und Auferstehung Jesu sind im Neuen Testomony eng mit dem Judentum verzahnt

In vielen europäischen Sprachen geht die Bezeichnung für Ostern allerdings auf eine andere sprachliche Wurzel zurück und knüpft so die Verbindung zum Judentum. So leiten sich etwa das italienische Pasqua, das russische Пасха, das türkische Paskalya oder das plattdeutsche Paasken allesamt vom aramäischen pas-cha ab, das sich an das hebräische Pessach anlehnt.

Tod und Auferstehung Jesu sind im Neuen Testomony nämlich eng mit dem Judentum verzahnt, das mit dem Pessachfest jeden Frühling seinen Auszug aus Ägypten feiert. Es gehört zu den wichtigsten jüdischen Festen. Es verbindet die Erinnerung an Leid, Unterdrückung und Sklaverei mit der Feier der Befreiung daraus.

Im Johannesevangelium fällt der Tod Jesu auf den 14. Nisan, die Zeit, zu der die Pessachlämmer im Jerusalemer Tempel geschlachtet wurden. Die anderen drei Evangelien legen das Todesdatum auf den 15. Nisan, den Hauptfesttag des jüdischen Pessach. Im Urchristentum verbinden sich somit Custom und Aufbruch, die Hoffnung auf die Befreiung des eigenen (jüdischen) Volkes mit der Befreiung aller Völker der Welt. Entsprechend gewährt der päpstliche Segen urbi et orbi („der Stadt und dem Erdkreis“) allen, die guten Willens sind, die Vergebung ihrer Sünden.

Das Evangelium gibt uns die Hoffnung auf ein Leben in einer paradiesischen Welt

Was aber soll man sich heutzutage unter der Vergebung der Sünden und der Auferstehung vorstellen? Sind das nicht Märchen, die einen fernen Hintergrund bilden für ganz diesseitige Familienfeiern, Schokoeier suchende Kinder, niedliche Hasen-Deko und Ausflüge ins Grüne? Die heidnischen Feste zum Erblühen der Natur und der Geburt der Lämmer lassen sich ja nachvollziehen. Aber ein Gottessohn, der gleichzeitig ganz Mensch ist, sich brutal ans Kreuz schlagen lässt und dann am „dritten Tag“ (additionally in der zweiten Nacht im Seize) von den Toten aufersteht, klingt in heutigen Ohren wie etwas das sich Horror-Fantasy-Autoren ausdenken, wenn die Phantasie mit ihnen durchgeht.

Auch wenn es zu Weihnachten mehr Geschenke gibt, aus christlicher Sicht ist Ostern das wichtigste Fest. Tod und Auferstehung Jesu sind die Grundlage des Glaubens. Interpretiert wird das legendäre Ostergeschehen häufig so: Gott schickt seinen eigenen Sohn in die Menschenwelt, um dieser das „Reich Gottes“ zu verkünden, additionally schlicht gesagt, dass am Ende alles intestine wird. Weil die Schöpfung Gottes aber eben seit dem „Sündenfall“ kein guter Ort mehr ist, herrscht auf Erden Gewalt und die Menschen bringen einander um. So töten sie auch Jesus, der weltlichen Machthabern ein Dorn im Auge ist.

Doch diese Tötung ist Teil des göttlichen Plans, denn durch dieses Opfer durchbricht Gott den nur zu bekannten Kreislauf aus Gewalt und Gegengewalt, indem er sich für die menschlichen Fehler nicht rächt (wie er es noch im Alten Testomony mehr als einmal getan hat) und sich als Sündenbock für die menschlichen Fehler zur Verfügung stellt. Liturgisch gesprochen: „Das Opferlamm nimmt hinweg die Sünden der Welt“. Und ermöglicht uns die Hoffnung auf ein ewiges Leben und eine paradiesische Welt. Das ist das Evangelium („die frohe Botschaft“).

Was wollen uns Jesus und die Bibel sagen?

Schaut man genauer hin, ist diese Geschichte interessanter, als es auf den ersten Blick erscheinen magazine. Warum gab es überhaupt diesen Sündenfall, nach dem die Menschen aus dem Paradies vertrieben und sterblich wurden? Weil sich Adam und Eva Gottes Verbot widersetzten und vom Baum der Erkenntnis aßen.

Hätten sie es nicht getan, wären sie ewig als glückliche, unwissende und unmündige Kinder im Paradies herumgehopst, dessen Wert sie aber vermutlich nicht verstanden hätten. Ein allmächtiger Gott hätte diesen Baum der Erkenntnis ja leicht vor den Menschen verstecken können, stattdessen aber hat er sie noch additional darauf hingewiesen.

Da Adam und Eva unwissend waren, trifft sie letztlich keine Schuld. Wenn man den Unterschied von intestine und böse nicht kennt, ist man bis heute nicht straffähig. Es liegt auf der Hand: Die Schuld für den Gang der Ereignisse liegt beim allwissenden Gott. Indem er seinen Sohn auf die Welt sendet und opfert, lüftet er genau dieses Geheimnis: „Dass die Welt ein schrecklicher Ort sein kann, dass ihr als nackte Affen von Raubtieren verfolgt wurdet, dass ihr von Krankheiten geschlagen, von Starvation und Ungerechtigkeit gequält, von Naturkatastrophen vernichtet und vom Tod eurer Liebsten bedrückt werdet – all das ist letztlich nicht eure Schuld. Ich nehme es als Schöpfer auf meine Kappe und verspreche euch: Es ist ein notwendiger Prozess, um vom unbewussten Paradies in ein bewusstes Paradies heimzukehren, nicht als unmündige Kinder, sondern aus freier Entscheidung. Und auf diesem Weg bin ich für euch da.“

Gute Nachrichten: Die Menschen sind friedlicher geworden

Man muss kein Christ und auch nicht gläubig sein, um die befreiende Kraft dieser Erzählung zu erahnen. Es sieht nicht so aus, dass wir in absehbarer Zeit die Erde für alle Geschöpfe zu einem paradiesischen Ort machen können. Aber die Hoffnung darauf und die Einsicht, dass wir alle zusammen in einer unvollkommenen, leidvollen Welt leben, an der wir nicht ursächlich schuld sind, können uns die Kraft geben, das zu tun, was womöglich doch in unserer Macht steht: Uns selbst und anderen Vergeben, Gewalt nicht automatisch mit Gegengewalt beantworten zu müssen und uns trotz aller Dunkelheit eine hellere Zukunft vorzustellen.

Auch wenn es beim Blick in die Nachrichten oft nicht so aussieht: Die Menschen sind insgesamt in den letzten Jahrtausenden friedlicher geworden, zeigen sich gerade in Notsituationen immer wieder solidarischer, als man ihnen nachsagt und kooperieren in zunehmend größeren Zusammenhängen. Man muss keinem religiösen Glauben angehören, um das Menschsein als einen Prozess zu begreifen, der nicht abgeschlossen ist und noch viel Gutes bereithalten wird.

Haben Sie Suggestions für den Autor? Schreiben Sie uns! briefe@berliner-zeitung.de



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