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Macron und Le Pen ziehen in die Stichwahl



Paris Emmanuel Macron und Marine Le Pen machen erneut die Präsidentschaftswahl in Frankreich unter sich aus. Der Präsident und die vor fünf Jahren unterlegene Rechtspopulistin zogen am Sonntag in die Stichwahl ein, die in zwei Wochen stattfindet. Der Ausgang des direkten Duells zwischen Macron und Le Pen dürfte dann aber knapper ausfallen als 2017.

Der an der Spitze eines Mitte-Bündnisses stehende Macron holte im ersten Wahlgang den Prognosen zufolge etwa 28 Prozent der Stimmen. Damit schnitt er besser ab, als es letzte Umfragen vor der Wahl nahegelegt hatten. Le Pen folgte mit intestine 23 Prozent. Auf dem dritten Platz landete der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon mit rund 21 Prozent.

Die Kandidaten der anderen Parteien lagen alle im einstelligen Bereich – darunter auch die Vertreter der beiden einstigen Volksparteien der linken und rechten Mitte, die Sozialisten und das mittlerweile unter dem Namen Republikaner firmierende konservativ-bürgerliche Lager.

Die große Frage ist nun, wie sich die Wähler der unterlegenen Präsidentschaftsbewerber im zweiten Wahlgang verhalten. Ein wichtiger Faktor wird auch die Wahlbeteiligung sein: Am Sonntag blieb nach ersten Zahlen mehr als ein Viertel der Wahlberechtigten der Abstimmung fern. Nicht ausgeschlossen warfare, dass der bisherige Negativrekord bei der Wahlbeteiligung aus dem Jahr 2002 erreicht wird.

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Die Franzosen haben die Wahl zwischen zwei entgegengesetzte Visionen für die Zukunft des Landes. Macron vertritt eine proeuropäische Linie, in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragen ist er eher liberal. Le Pen steht für einen nationalistischen Ansatz, bemühte sich seit ihrer Niederlage 2017 aber um einen Imagewandel. Die Rechtspopulistin suchte in der Vergangenheit die Nähe des russischen Präsidenten Wladimir Putin – auch wenn sie nun den Angriffskrieg in der Ukraine verurteilt.

Le Pen rief am Sonntagabend „all jene, die heute nicht für Emmanuel Macron gewählt haben“ zur Unterstützung ihrer Kandidatur auf. „Was am 24. April auf dem Spiel steht, ist keine Wahl der Umstände, sondern eine Entscheidung für die Gesellschaft, eine Entscheidung für die Zivilisation“, sagte sie.

Macron appellierte dagegen an die Franzosen, im zweiten Wahlgang eine „Barriere gegen die excessive Rechte“ zu errichten. Noch sei nichts entschieden, warnte er seine Anhänger. „Die Debatte, die wir in den kommenden 15 Tagen haben werden, ist entscheidend für unser Land und für Europa.“

Macrons Anhänger brachen bei der Bekanntgabe der ersten Ergebnisse auf dem Messegelände Porte de Versailles am südwestlichen Stadtrand von Paris in lauten Jubel aus. Hinter der Bühne prangt ein weißes Schrifzug auf blauem Grund: „Nous tous“, auf Deutsch: „Wir alle“. Es ist die eine Hälfte von Macron Wahlkampfmotto.

Die andere lautet „Avec vous“ – additionally das Versprechen, dass der Präsident „an Eurer Seite“ stehe. Am Eingang verteilen Helfer T-Shirts mit dem Slogan, französische Flaggen und EU-Fahnen. An der Bar werden Wein und Fassbier ausgeschenkt.

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Deutlich optimistischer bei der Getränkeauswahl zeigte sich Le Pen: Champagner-Flaschen liegen in Kübeln auf Eis, auf dem Etikett steht „Marine Présidente“. Ihre Partei, der Rassemblement Nationwide, hat in den Pavillon Chesnaie du Roy geladen, ein für ausgelassene Feiern bekannter Holzpavillon im Osten von Paris.

Als die Ergebnisse um 20 Uhr auf den Bildschirmen erschienen, warfare von Enttäuschung wenig zu spüren. Le Pens Anhänger jubelten und klatschten, schließlich konnte die Kandidatin ihr Ergebnis des ersten Wahlgangs im Vergleich zu 2017 verbessern. Als die Rechtspopulistin ihre Rede am Wahlabend hielt, skandierte die Menge: „Wir werden gewinnen.“

Vor fünf Jahren hatte Macron mit 66 zu 34 Prozent gegen Le Pen gesiegt. In diesem Jahr schrumpfte vor der ersten Runde in einigen Umfragen zu einem möglichen Duell der Abstand zwischen dem Präsidenten und der Herausforderin auf vier bis fünf Prozentpunkte.

In der Vergangenheit hatten sich in Frankreich alle politischen Kräfte zu einer Abwehrfront zusammengeschlossen, wenn es das Rechtsaußen-Lager in die Stichwahl schaffte. Besonders ausgeprägt warfare dieses Phänomen 2002 beim Widerstand gegen den rechtsextrem und antisemitisch auftretenden Jean-Marie Le Pen, Parteigründer und Vater der heutigen Kandidatin. 2017 bröckelte die Entrance dann schon etwas.

Marine Le Pen

„Was am 24. April auf dem Spiel steht, ist keine Wahl der Umstände, sondern eine Entscheidung für die Gesellschaft, eine Entscheidung für die Zivilisation.“



(Foto: dpa)

Am Sonntagabend erklärten die Kandidaten von Sozialisten, Republikanern, Grünen und Kommunisten, dass sie in der Stichwahl für Macron stimmen würden. Der drittplatzierte Mélenchon sprach keine direkte Empfehlung für den Präsidenten aus, mahnte seine Wähler jedoch: „Wir dürfen nicht eine einzige Stimme an Frau Le Pen geben.“ Offen ist allerdings, ob auch alle ihrer Anhänger der Aufforderung folgen werden.

Denn Le Pen hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Nicht nur änderte sie den Namen ihrer Partei von Entrance Nationwide in Rassemblement Nationwide. Die Rechtspopulistin bemühte sich ein weicheres Picture und setzte auf Bürgernähe.

Im Umfeld von Le Pen nennt man die Strategie „Entteufelung“. Sie lehnt die Europäische Union nicht mehr kategorisch ab, will Frankreich auch nicht mehr aus dem Euro führen. Statt Tiraden gegen Einwanderer formuliert sie ihre Kritik an der Migrationspolitik der Regierung zurückhaltender.

In den vergangenen Monaten sprach sie vor allem über die Kaufkraft-Sorgen der Franzosen in Zeiten steigender Preise. Macron stellte sie als abgehobenen „Präsidenten der Reichen“ dar. Auch am Sonntagabend sagte Le Pen: „Ich will Präsidentin aller Franzosen sein.“ Sie werde die französischen Werte schützen und das Land „wieder in Ordnung bringen“.

Von den unterlegenen Kandidaten rief nur der Rechtsnationalist Éric Zemmour zu ihrer Wahl auf, dessen schrille Warnungen vor Überfremdung im Wahlkampf ebenfalls dazu beitragen, Le Pen gemäßigter erscheinen zu lassen. Zemmour holte am Sonntag rund sieben Prozent.

Jean-Luc Mélenchon

Der Linkspopulist landete mit rund 21 Prozent auf dem dritten Platz.


(Foto: Imago)

Die konservativen-bürgerlichen Republikaner haben nicht viele Stimmen zu verteilen, ihre Präsidentschaftsbewerberin Valérie Pécresse holte mit fünf Prozent ein historisch schlechtes Ergebnis. Es kommt additionally auf die Wähler aus dem linken Lager an, von denen viele von Macron enttäuscht sind. Sie könnten sich anders entscheiden als die Empfehlungen ihrer Kandidaten – oder in zwei Wochen zu Hause bleiben.

„Macrons Picture ist nicht mehr dasselbe wie 2017“, sagte Jérôme Fourquet, Leiter der Politikabteilung beim französischen Meinungsforschungsinstitut Ifop. Damals sei Macron der junge, unverbrauchte Hoffnungsträger gewesen. Mit 44 Jahren ist der Präsident noch immer alles andere als alt. „Doch in einem Teil der Bevölkerung wird er nach einer Amtszeit sehr kritisch gesehen, ist sogar verhasst.“

Das traditionelle linke Lager zweifelt zunehmend am linksliberalen Etikett, das sich Macron 2017 angeheftet hat. „Die Ansicht in diesem Milieu ist, dass Macron eine rechte Politik gemacht hat“, sagte er. Etwa die Hälfte dieser Wählergruppe spiele mit dem Gedanken, lieber der Stichwahl fernzubleiben, als Macron ein weiteres Mal die Stimme zu geben und ihn zu retten.

Der Präsident warfare erst spät in den Wahlkampf eingestiegen, obwohl niemand ernsthaft an seinen Ambitionen auf eine zweite Amtszeit gezweifelt hatte. Seine Zurückhaltung hatte Macron mit dem Krieg in der Ukraine begründet, der seine volle Aufmerksamkeit als Staatschef erfordert habe.

Macron verwies vor allem auf die wirtschaftliche Bilanz seiner Amtszeit, die sinkende Arbeitslosigkeit und das steigende Wachstum. Seine Reformen will er fortsetzen – und kündigte das unpopuläre Ziel an, das Renteneintrittsalter im Fall einer Wiederwahl von 62 auf 65 Jahre zu erhöhen.

Macron will auch weiter für seine Imaginative and prescient einer „souveränen“ Europäische Union kämpfen, die bei Energieimporten, bei den Zukunftstechnologien in der Industrie und in der Sicherheitspolitik unabhängiger werden müsse. Im Kern unterscheidet sich das Projekt Macron 2.0 nicht grundsätzlich von seinem Programm vor fünf Jahren.

Angesichts der steigenden Umfragewerte für Le Pen griff der Präsident zuletzt auch verstärkt das Kaufkraft-Thema auf. Macron erinnerte daran, dass seine Regierung bereits mehr als 20 Milliarden Euro für die Deckelung der Fuel- und Strompreise ausgegeben habe. Am Sonntagabend sagte er: „Das einzige Projekt für mehr Kaufkraft ist unser Projekt.“

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