Business

Männer fördern Männer: Warum Frauen seltener gründen


Frauen gründen seltener und für Gründerinnen ist es oft schwierig, an eine Finanzierung zu kommen. Das liegt unter anderem an den Vorlieben der Geldgeber.

Laut Studie mangele es manchen jungen Frauen an Selbstvertrauen „hinsichtlich ihrer Kreativität und Flexibilität“, sie könnten sich deswegen weniger häufig vorstellen, selbst zu gründen
Getty Photographs / Westend61

Der Anteil von Frauen unter den Unternehmensgründern in Deutschland ist in den vergangenen zwölf Jahren kontinuierlich gesunken. Das ist das Ergebnis einer neuen Analyse der Bonner Datenberatung Infas 360. Die Forscher untersuchten Handelsregistereinträge neu gegründeter Gesellschaften und stellten fest: Insbesondere bei der für kleinere Tech-Startups typischen Unternehmensform der Unternehmergesellschaft sank der Anteil der Geschäftsführerinnen von 22,5 Prozent im Jahr 2009 auf 19,3 Prozent im Jahr 2021.

Bei den kapitalaufwendigeren GmbH-Gründungen blieb der Anteil der Frauen unter den Cooks seit 2009 gleichbleibend niedrig bei knapp 16 Prozent. „Zwar stieg die Zahl der Gründungen in absoluten Zahlen für beide Geschlechter – aber Männer gründeten gerade in der Pandemie häufiger als Frauen“, kommentiert Sebastian Hugo von Infas 360.

Infas hat exklusiv für Welt am Sonntag ausgewertet, in welchen Branchen Frauen am häufigsten gründen: Mit professional Jahr intestine 800 neuen Firmen liegt der Bereich Sozialwesen vorn, vor der Pandemie gründeten Frauen zudem besonders häufig in der Reisebranche sowie im Bereich persönliche Dienstleistungen.

Im Pandemiejahr 2020 zogen Frauen oft Startups im Bereich Erziehung und Unterricht auf – die Homeschooling-Welle scheint hier viele Gründerinnen auf Produktideen gebracht zu haben. Auch neue Unternehmen im Bereich der Betreuung werden besonders häufig von Frauen geführt.

Lest auch

Care-Arbeit hält Frauen vom Gründen ab

Warum Frauen insbesondere in der Pandemie deutlich seltener gründeten als Männer, darüber haben die Infas-Forscher keine eigenen Daten – verweisen aber auf Studien etwa des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, wonach Frauen in der Krise angesichts von Schulschließungen und Quarantäne deutlich häufiger die Sorgearbeit zu Hause übernahmen.

Zudem, so ein Ergebnis der IW-Studie „Frauen in der Startup-Welt“ aus einer Befragung aus dem Jahr 2020, mangele es jungen Frauen an Selbstvertrauen „hinsichtlich ihrer Kreativität und Flexibilität“, sie könnten sich deswegen weniger häufig vorstellen, selbst zu gründen.

Doch genau diese These wollen Gründerinnen, die selbst erfolgreich sind, nicht einfach stehen lassen: „Dann heißt es wieder, wir müssten die Frauen zu mehr Selbstvertrauen anleiten, dann sei alles gelöst“, kommentiert Tijen Onaran, Gründerin des Beratungs- und Netzwerkunternehmens World Digital Ladies, die Zahlen. „Aber es geht nicht darum, die Frauen zu reparieren. Wir müssen das Umfeld, in dem sie gründen können, reparieren.“

Onaran engagiert sich mit ihren Geschäftspartnern insbesondere dafür, Frauen mit den nötigen finanziellen Mitteln für ihre Firmenideen auszustatten. Denn, so ihre These: Selbst gute Ideen von Frauen werden deutlich seltener finanziert als im Vergleich schlechtere Ideen von Männern.

Zahlen des Bundesverbandes Deutsche Startups stützen das: Demnach haben Männer mit vergleichbaren Ideen für ein Startup eine 60 Prozent höhere Likelihood, Risikokapital zu bekommen, als Frauen.

Lest auch

„Frauen gründen besonders häufig mit nachhaltigen Ideen“, sagt Onaran. „Sie setzen eher auf eine langfristig angelegte Wertentwicklung anstatt auf sehr schnelles Wachstum und den anschließenden Verkauf ihrer Firma. Das aber passt oftmals nicht in die gängigen Schemata von Risikokapitalgebern.“ Denn die meisten Risikokapitalfonds haben eine strenge Zeitvorgabe, wollen möglichst schnell ihr Funding mit Gewinn zurück.

Additionally geben sie ihr Geld eher denjenigen Gründern, die auf maximale Skalierung und den schnellen Exit setzen. „Hinzu kommt, dass die Entscheider, die dieses Geld vergeben, oft Männer sind – und die verstehen sich nun mal besser mit ihresgleichen.“

Profitables Startup-Funding bei Frauen höher

Darin aber sieht Onaran eine Geschäftschance für Risikokapitalgeber, die gezielt nach Gründerinnen suchen. Da ihre guten Ideen unterfinanziert bleiben, sind die Chancen für ein profitables Startup-Funding bei Frauen relativ gesehen höher.

Eine Studie der Boston Consulting Group unter mehr als 300 Startups aus dem Jahr 2018 ergab: Während Frauen als Cooks im Schnitt 78 Cent professional Greenback Risikokapital erwirtschafteten, kamen Männer gerade einmal auf 31 Cent.

„Doch damit uns die Gründung mehr weiblicher Startups gelingt, müssen wir erfolgreiche Gründerinnen dazu ermutigen, nicht nur ihr Kapital, sondern auch ihr Wissen weiterzugeben, selbst zum Enterprise Angel für die nächste Technology Frauen zu werden“, meint Onaran. „Dieses Risiko scheuen bislang zu viele Frauen, auch weil sie die Komplexität und den Kapitalbedarf eines privaten Startup-Investments überschätzen.“

Staatliche Förderprogramme für Startup-Ideen vergeben ihre Mittel bislang ebenfalls häufiger an Gründer als an Gründerinnen. Auch hier entscheiden über die Vergabe der Mittel deutlich häufiger Männer als Frauen.

Lest auch

Bessere Förderung für Gründerinnen

Bei der Bundesregierung läuft Onaran mit dieser These offene Türen ein: „Wir wollen alle von uns geförderten Gründungsprogramme daraufhin überprüfen, ob sie auch Frauen ansprechen“, kommentiert Franziska Brantner, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, die Zahlen.

„Unser Ministerium hat einige Programme und Fördertöpfe, etwa den Hightech-Gründerfonds, bei denen wir die Voraussetzungen für die Förderung anschauen wollen, um eine bessere Förderung für Gründerinnen zu schaffen.“

Auch Brantner glaubt: „Frauen gründen nachhaltiger, eher im Bereich sozialer Themen – und passen damit häufig nicht in die gängigen Schemata der Startup-Förderung.“ Ansetzen will Brantner dabei auch an der Besetzung der Gremien, die Förderungen vergeben. „Wo immer unser Haus darüber mitentscheiden kann, müssen wir ab sofort mehr darauf achten, dass diese Gremien paritätisch besetzt werden.“

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt.



Supply hyperlink

Leave a Reply

Your email address will not be published.

close