Lifestyle

Mehr als ein chinesischer Valentinstag


China feiert am heutigen Donnerstag das Fest Qixi. Es findet immer am siebten Tag des siebten Monats im Mondkalender statt. Es gilt auch als „Chinesischer Valentinstag“, einhergehend mit Kommerzialisierung und Verkaufsaktionen. Doch das Fest hat tatsächlich eine lange Historie und geht auf die über zweitausend Jahre alte Volkssage vom Kuhhirten Niulang und der Weberin Zhinü zurück.

Diese Zwei verbindet – oder besser: trennt – eine verbotene Liebe. Denn die Weberin war eine Unsterbliche, der Kuhhirte ein Mensch. Bei einem heimlichen Ausflug auf die Erde verliebte sich die göttliche Weberin in den sterblichen Kuhhirten. Sie heirateten und sie lebten glücklich auf Erden – bis die Himmelsgöttin (in manchen Versionen ist sie die Mutter der Weberin) von der verbotenen Verbindung erfuhr und die Weberin zurück in den Himmel beorderte.

Die Milchstraße trennt die Liebenden

Wie konnten die Liebenden bloß wieder vereint sein? Der Ehemann mit dem gebrochenen Herzen bekam von einem Ochsen den Tipp, dass er mit dem Leder des Ochsen in den Himmel aufsteigen und dort wieder mit seiner Frau vereint sein könne. Dem Hirten gelang den Aufstieg in den Himmel, sogar gemeinsam mit den zwei Kindern. Allerdings erzürnte er damit seine Schwiegermutter, die oberste Göttin. Die nahm daraufhin ihre Haarnadel und kratzte einen weiten Schnitt zwischen Kuhhirt und Weberin. Dieser trennende Graben ist die Milchstraße, die die Sterne Altair (symbolisiert den Kuhhirten) und Wega (steht für die Weberin) trennt.

So sitzen die Liebenden auf unterschiedlichen Seiten der Milchstraße, trauernd. Tatsächlich sind die Sterne Altair und Wega rund 16 Lichtjahre voneinander entfernt. Die Weberin webt und der Kuhhirte betrachtet sie aus der Ferne und wacht über ihre zwei Kinder, die Sterne Beta Aquilae and Gamma Aquilae.

Einmal im Jahr aber fliegen alle Elstern – daher auch der alternative Name „Fest der Elstern“ – in den Himmel und formen eine Brücke, sodass die Liebenden für eine Nacht zusammen sein können. Das passiert jedes Jahr in der siebten Nacht des siebten Monats, nach dem gregorianischen Kalender ist das der 4. August 2022. Im kommenden Jahr fällt Qixi auf den 22. August 2023. „Elsternbrücke“ heißt auch ein chinesischer Relais-Satellit, der bei der Erkundung der erdabgewandten Seite des Mondes helfen soll.

Der chinesischen Volkssage zufolge formen Elstern eine Brücke über die Milchstraße.


Der chinesischen Volkssage zufolge formen Elstern eine Brücke über die Milchstraße.
:


Bild: dpa


Ein anderer Name für das Fest ist „Qiqiao“, was so viel bedeutet wie „um handwerkliche Geschicklichkeit bitten“. Weberin Zhinü war im Himmel dafür zuständig , die Kleider der himmlischen Gestalten sowie die Wolken zu weben. Weil in der Vergangenheit gute hausfrauliche Fähigkeiten essenziell auf dem Heiratsmarkt waren, baten Frauen bei der göttlichen Weberin um ähnliche Fähigkeiten.

Google feiert Qixi mit einem eigenen Doodle

Viele Gedichte behandeln die Sage, eines der bekannteren: „Die Unsterblichen an der Brücke der Elstern“ von Qin Guan. Es gilt als Mutmacher für Paare in Fernbeziehungen. Zwei Zeilen lauten frei übersetzt: „Wenn die Liebe zwischen beiden für immer ist, warum müssen sie jeden Tag und jede Nacht zusammen sein?“ Traditionell geht es also an diesem „chinesischen Valentinstag“ um den Glauben an die (wahre) Liebe – statt um Kommerz, Blumen und Pralinen.

Auch das heutige Doodle, also die Variation des Logos der Suchmaschine Google, würdigt das Qixi-Fest. Das Doodle, ein eingescannter Druck der Künstlerin Celine You, wird aber nur in Deutschland, der Schweiz, Großbritannien und Taiwan angezeigt.

Weitere asiatische Ländern feiern am siebten Tag des siebten Mondmonats Variationen des Qixi-Festes. In Japan heißt es Tanabata, Chilseok in Korea, Thất Tịch in Vietnam.



Source link

Leave a Reply

Your email address will not be published.