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„Putin will die Ukraine in drei Teile spalten“


Putin wolle die Ukraine vermutlich teilen. Das sagte der 60 Jahre alte Dmitri Muratow, der 2021 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete russische Journalist, dem Magazin New Yorker in einem E-Mail-Interview. In Bezug auf den Westteil mit Lwiw als Zentrum denke der russische Präsident sich: Lasst sie machen, was sie wollen. In der Zentralukraine mit Kiew in der Mitte wolle er eine Regierung, die sich in Richtung Moskau orientiere. Und der Ostteil, der gesamte Donbass, solle nach Putins Vorstellungen Teil Russlands werden. „800.000 Menschen dort haben gerade einen russischen Pass bekommen.“ Muratow ist Gründer der Zeitung Nowaja Gaseta mit Sitz in Moskau, eines der wenigen unabhängigen Medien im Land. Die Redaktion widersetzt sich derzeit der staatlichen Anweisung, die Begriffe Invasion, Besetzung und Krieg zu vermeiden. „Wir nennen es weiter Krieg“, sagte Muratow. „Und wir warten auf die Konsequenzen.“

Warum Putin entschieden habe, in Ukraine einzumarschieren, wisse er nicht. Er geht davon aus, dass es mit dem Ultimatum hinsichtlich der Nato-Osterweiterung zu tun hat. Doch die meisten Russen würden dieses Bedrohungsszenario nicht verstehen. „Die Nato hat Russland nie angegriffen.“ Die Begründung, ukrainische Faschisten würden die Macht ergreifen, stoße auch auf Unverständnis. „Die Menschen flüstern: Ist Selenskyj nicht Jude?“ Putin sei gegen ein Land in den Krieg gezogen, das im Zweiten Weltkrieg acht Millionen Menschen verloren habe. „Ich kann nur annehmen, dass der Zweite Weltkrieg für ihn noch nicht zu Ende ist, und er entschlossen ist, ihn zu gewinnen.“

Muratow: Die Rede von den westlichen Werten verwirrt Putin

Putin misstraue dem Westen, ihn verwirre die Rede von den „westlichen Werten“. Er kaufe en gros ehemalige Kanzler, Premierminister und Minister aus europäischen Ländern und bestücke mit ihnen die Aufsichtsräte von Staatsbetrieben. „Sie haben einen Preis, aber keine Werte. Ich würde sagen, so denkt er.“

Putins Entourage wage es nicht, den Mund aufzumachen. Und wie weit er im Krieg gegen die Ukraine gehen werde, wisse niemand. Muratow setzt keine großen Hoffnungen auf die Verhandlungen der Ukraine mit dem früheren Kulturminister Wladimir Medinsky. Dieser sei ein leidenschaftlicher Anhänger des Prinzips: Wahrheit ist, was gut für Russland ist.

Seine Redaktion werde arbeiten, solange man sie lässt. In den letzten paar Tagen hätten viereinhalb Millionen Menschen die Website der Nowaja Gaseta besucht. Doch die Zeitung befinde sich in einer schwierigen Situation, weil sie die offizielle Perspektive nicht in ihre Berichterstattung einfließen lasse. Man vertraue den Korrespondenten in der Ukraine und den Redakteuren, die jede Nachricht auf ihren Wahrheitsgehalt prüften. „Wir verraten unsere Leser nicht, wir werden keine Propaganda verbreiten. Wir respektieren die Souveränität der Ukraine – und die Souveränität der Nowaja Gaseta.“



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