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ROUNDUP 2: Corona-Krise verschrft den Nachwuchsmangel bei Fachkrften | Nachricht


(neu: ZDH und DGB, 5. und 6. Absatz.)

WIESBADEN/NRNBERG (dpa-AFX) – In deutschen Betrieben und Verwaltungen werden immer weniger Menschen ausgebildet. Auch im zweiten Corona-Jahr 2021 lag die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsvertrge deutlich unter dem Vorkrisen-Niveau, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch auf der Grundlage vorlufiger Zahlen berichtete. 467 100 neue Vertrge bedeuteten im vergangenen Jahr zwar einen leichten Zuwachs nach dem historischen Tiefstand von 2020 (465 700), aber eben auch weiterhin eine groe Lcke zum Niveau aus dem Jahr 2019, als noch 513 300 junge Menschen einen Ausbildungsvertrag unterzeichneten.

Dabei erscheint der Fachkrftebedarf in einigen Bereichen nahezu unermesslich, etwa wenn es um die konkrete Umsetzung von Klimaschutzmanahmen an Gebuden oder den Ausbau der Erneuerbaren Energien geht. Bereits im Jahr 2025 werden allein fr diese Regierungsplne rund 400 000 zustzliche Fachkrfte bentigt, heit es in einer aktuellen Studie des Bundesinstituts fr Berufsbildung (BIBB). Gefragt seien various Bau- und Ausbauberufe, Maschinenbauer und Elektrotechniker, aber auch Fachkrfte fr die personalintensivere kologische Landwirtschaft.

In der alljhrlichen BIBB-Hitliste der beliebtesten Ausbildungen lagen aber bei den Mnnern der klassische Kfz-Mechatroniker und bei den Frauen erstmals die medizinische Fachangestellte ganz vorn. Ebenfalls beliebt sind verschiedene kaufmnnische Ausbildungen sowie Ausbildungen zum Fachinformatiker und zum Anlagenmechaniker fr Sanitr-, Heizungs- und Klimatechnik.

Insgesamt fllt es den Unternehmen in Deutschland aber immer schwerer, Ausbildungspltze zu besetzen, wie eine weitere aktuelle Studie zeigt. Bei einer reprsentativen Befragung des Instituts fr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nrnberg gab quick die Hlfte der Betriebe an, dass die Zahl der Bewerbungen zurckgegangen sei. Etwa 40 Prozent berichteten auerdem, dass die Qualitt der Bewerbungen abgenommen habe.

Allein im Handwerk sind nach Angaben des zustndigen Zentralverbands 20 000 Ausbildungspltze unbesetzt geblieben, wie Handwerksprsident Hans Peter Wollseifer dem “Handelsblatt” sagte. “Die Auswirkungen spren viele von uns bereits im Alltag: Die Wartezeiten auf einen Handwerkstermin sind lang.” Man msse kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass die vielen zustzlichen Vorhaben, besonders im Klima- und Umweltschutz, mit dem jetzigen Stamm an Beschftigten kaum zu schaffen seien.

Zugleich gibt es aber viele junge Menschen, die gerne Azubis wre, aber keinen Platz bekommen. “Trotz der leichten Erholung sind fast 68 000 junge Menschen ohne Ausbildung geblieben, obwohl sie sich als Bewerber bei der Bundesagentur fr Arbeit gemeldet waren”, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack dem “Handelsblatt”. Die Zahl setzt sich zusammen aus den Ende September 2021 laut Bundesagentur fr Arbeit tatschlich unversorgten Bewerbern und denen, die in einer sogenannten Various gelandet sind – additionally zum Beispiel wieder zur Schule gehen oder studieren, ein Praktikum beziehungsweise eine Frdermanahme absolvieren oder arbeiten.

Die duale Berufsausbildung in Betrieb und Berufsschule sei wichtig, um den Fachkrftebedarf von Betrieben zu sichern, sagte IAB-Direktor Bernd Fitzenberger. “Voraussetzungen hierfr sind zunchst, dass sie die von ihnen angebotenen Ausbildungspltze besetzen knnen und die Auszubildenden die Ausbildung erfolgreich abschlieen knnen. Beides hat in der Pandemie deutlich gelitten.” Den fr die IAB-Studie befragten Betrieben zufolge waren Prfungen verschoben worden oder es struggle unter Pandemie-Bedingungen schlicht die Zeit zu knapp, um die geforderten Inhalte zu vermitteln.

Grundstzlich leidet das duale Ausbildungssystem seit Jahren unter der Konkurrenz akademischer Bildungswege und den sinkenden Zahlen bei den Schulabsolventen. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber auf nicht weniger als 540 verschiedene Berufsbilder ist seit Jahren rcklufig, nachdem es 2008 noch knapp 608 000 Ausbildungsanfnger gab. In der Corona-Krise sind zudem zahlreiche Informationsveranstaltungen an den Schulen sowie Betriebspraktika ausgefallen.

Ein Drittel der Betriebe berichtete der IAB-Studie zufolge, dass es in der Corona-Krise schwieriger gewesen sei, mit potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern in Kontakt zu treten. 43 Prozent boten weniger oder gar keine Praktika fr Schlerinnen und Schlern an – vor allem die Unternehmen, die besonders unter den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie litten.

Laut einer Studie der staatlichen KfW-Financial institution aus dem vergangenen Sommer haben sich whrend der Pandemie vor allem Kleinstbetriebe aus der Ausbildung zurckgezogen, whrend bei den mittleren Unternehmen mit mehr als 50 Beschftigten die Azubi-Zahlen hufig rcklufig waren. Dabei tragen die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) die Ausbildung in Deutschland mit rund 90 Prozent der angebotenen Pltze. Gleichwohl bilden nur 12 Prozent der KMU tatschlich selbst aus.

IG Metall-Vorstand Hans-Jrgen City sieht die Arbeitgeber in der Verantwortung. Sie machten es sich zu einfach, alles auf die Pandemie zu schieben, erklrte der Gewerkschafter in Frankfurt. “In der Metall- und Elektroindustrie gibt es ber 10 000 Auszubildende weniger als im Vorjahr und der Rckgang ist nicht allein der Pandemie geschuldet.” Die Arbeitgeber mssten endlich wieder mehr Potenziale heben und mehr Menschen ausbilden. Darber hinaus msse die im Koalitionsvertrag verankerte Ausbildungsgarantie schnellstmglich mit Leben gefllt werden, um einen weiteren Rckzug vieler Betriebe zu verhindern./ceb/igl/DP/males



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