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Stimmung am Beteiligungsmarkt bricht ein


Skyline von Frankfurt

Furcht vor einem Konjunkturabschwung bremst das Geschäft am Enterprise-Capital- und Personal-Fairness-Markt.



(Foto: dpa)

Frankfurt Die Stimmung unter den Beteiligungsmanagern hat sich im ersten Quartal deutlich verschlechtert. Der Ukrainekrieg, der Zinsanstieg sowie Konjunkturprobleme haben sowohl im Enterprise-Capital-Markt (VC) als auch im Personal-Fairness-Phase zu einem deutlichen Einbruch beim Investorenbarometer geführt.

Der Geschäftsklimaindikator für den Enterprise-Capital-Markt – der unter anderem die Finanzierungslage für die Begin-ups abbildet – fällt um 35 Zähler auf 7,2 Punkte und bleibt damit nur knapp positiv.

Die aktuelle Entwicklung unterscheidet sich allerdings vom coronabedingten Rückschlag Anfang 2020 in zwei wesentlichen Punkten: Erstens erfolgt der Rückgang von einem rekordhohen Niveau, und zweitens ist der Einbruch bei Weitem nicht so stark wie damals. Das Investorenbarometer wird von der Förderbank KfW und dem Branchenverband BVK erstellt.

Im ersten Quartal am stärksten eingebrochen sind im VC-Phase die Beurteilungen der Konjunktur, des Zinsniveaus, des Klimas für Fundraising und des Wertberichtigungsdrucks. Stärkere unfavorable Effekte sind nach Einschätzung der Geldgeber von der Zinswende der Notenbanken zu erwarten. Diese führt zu niedrigeren Kursen bei Technologieaktien, was sich letztlich auch auf die privaten Märkte auswirkt und den Wertberichtigungsdruck erhöht.

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Positiv sehen die Beteiligungsmanager hingegen, dass auch die Einstiegsbewertungen bei neuen Investitionen sinken. Der relevante Indikator hat sich deutlich verbessert und ist der einzige mit einem deutlichen Zugewinn.

Negativ dürften sich steigende Zinsen langfristig auch auf das Fundraising auswirken, weil die institutionellen Investoren für die VC-Fonds dann auch wieder Anlagemöglichkeiten bei Zinsprodukten sehen.

„Das VC-Geschäftsklima ist im ersten Quartal 2022 regelrecht eingebrochen. Das hat sicher mit den hohen Inflationsraten und der verschärften Zinswende der internationalen Notenbanken zu tun. Hinzu kommen die geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten durch den eskalierten Krieg in der Ukraine“, sagt Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW.

Investoren verfügen über viel Kapital

Es sei aber trotzdem zu erwarten, dass die Investitionstätigkeit auf dem VC-Markt weiter stabil bleibt, auch weil die Investoren noch über viel Kapital verfügten. „Dazu kommt, dass die Kriegsauswirkungen auf die Energieversorgung das Interesse an Clear- und Local weather-Tech-Begin-ups sogar verstärken könnten“, sagt Köhler-Geib.

„Sollte die Zinswende mehr Fahrt aufnehmen und auch Europa nachziehen, dürfte dies weiteren Druck auf die Bewertungen von börsennotierten Tech-Unternehmen und damit auch nicht-notierten Begin-ups haben“, glaubt Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des BVK. Die Entspannung bei den bisher sehr kritisch gesehenen Einstiegsbewertungen und der weiterhin positiv bewertete Dealflow seien erfreulich, jedoch bei Betrachtung der Gesamtsituation nur ein schwacher Trost.

Parallel zum VC-Markt hat sich auch das Geschäftsklima auf dem deutschen Personal-Fairness-Markt zum Jahresstart deutlich abgeschwächt. Der Geschäftsklimaindikator fällt um 27,5 Zähler auf minus 7,2 Punkte. Der Oberbegriff Personal Fairness steht für Beteiligungen an Konzernen und Mittelständlern, wobei es sich um ganze Übernahmen oder auch Minderheitsbeteiligungen handeln kann.

„Aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse hat sich das deutsche Personal-Fairness-Geschäftsklima zum Jahresstart deutlich abgekühlt, gerade nachdem es wieder seinen alten Aufwärtstrend aufgenommen hatte“, sagt KfW-Expertin Köhler-Geib.

Der Krieg habe die Spannung bei den teilweise durchbrochenen Lieferketten weiter erhöht. Das drücke auf die Stimmung der Mittelständler und somit auch seiner Investoren. Trotz gestiegener Kapitalnachfrage leide deren Lust auf Investitionen mittlerweile.

„Zinswende, Ukrainekrieg und eingetrübte Konjunkturaussichten sind huge Unsicherheitsfaktoren, die die Wirtschaft insgesamt und den Mittelstand im Besonderen belasten. Diese Unsicherheit schlägt sich in einer abnehmenden Planbarkeit der Geschäftsentwicklung bestehender Portfoliounternehmen, aber auch möglicher neuer Beteiligungen der Beteiligungsgesellschaften nieder“, sagt Verbandsmanagerin Hinrichs.

In den vergangenen Jahren kam es zu einem stetigen Mittelzufluss in den Personal-Fairness-Markt. Die Anlageklasse konnte den Investoren laut einer Untersuchung von Golding Capital Companions erhebliche Überrenditen im Vergleich zu den Aktien liefern. Eine Analyse des Zeitraums zwischen 2000 bis 2021 zeige, dass Personal Fairness über einen langen Zyklus Überrenditen liefere, sagt Oliver Gottschalg, Professor an der HEC College of Administration Paris.

Mehr: Saudi-Arabien sucht Investoren für Hightech-Stadt Neom.



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