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Ukraine wirft Russland Massaker an Zivilisten vor


Ukraine-Krieg – Butscha

In der ukrainischen Stadt Butscha, 25 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kiew, bietet sich nach dem Rückzug der russischen Armee ein Bild des Grauens.



(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Ukraine hat russischen Truppen Gräueltaten an der Zivilbevölkerung vorgeworfen und von Szenen des Grauens in Vororten Kiews berichtet. Rund um die Hauptstadt seien nach einem russischen Teilrückzug Leichen von 410 Zivilisten entdeckt worden, sagte die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa. Ukrainische Soldaten und Reporter der Nachrichtenagentur AP fanden Tote mit zusammengebundenen Händen, Schusswunden im Kopf und Anzeichen von Folter vor.

Präsident Wolodimir Selenski sprach von einem Genozid und warnte, dass mit der Rückeroberung anderer Gebiete von russischen Truppen weitere Gräueltaten offenbar werden könnten. Andere Regionen des Landes stünden noch unter russischer Kontrolle. Dort könnten „noch mehr Tote und Misshandlungen“ bekannt werden, sagte Selenski. Der Präsident schaltete sich zudem per Video zur Verleihung der US-Musikpreise Grammys und bat um Unterstützung für sein Land. „Unterstützt uns auf jegliche Artwork und Weise, die euch möglich ist“, sagte er bei der stay im US-Fernsehen übertragenen Veranstaltung.

Selenski lud die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einer Reise nach Butscha ein. Merkel könne sich dort – ebenso wie der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy – ein Bild von ihrer gescheiterten Russland-Politik der vergangenen Jahre machen, sagte Selenski in einer Videobotschaft.

Die Berichte und Bilder aus betroffenen Orten ließen internationale Rufe nach noch schärferen Sanktionen gegen Russland lauter werden. Das Verteidigungsministerium in Moskau wies Vorwürfe der Gräueltaten an Zivilisten im Großraum Kiew zurück.

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Generalstaatsanwaltschaft: Leichen werden obduziert

Die Behörden in der Ukraine erklärten, sie dokumentierten Beweise für die Strafverfolgung russischer Verantwortlicher wegen Kriegsverbrechen. Um sie zu verurteilen, werden Strafverfolger des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) ein Muster von Gräueltaten gegen Zivilisten während der russischen Invasion in die Ukraine nachweisen müssen.

Seit Freitag wurden nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft bereits 140 der bisher 410 geborgenen Leichen aus der Area Kiew obduziert. Außerdem nahmen demnach mehr als 50 Mitarbeiter von Staatsanwaltschaft und der Nationalen Polizei erste Ermittlungen zu den Verbrechen im Gebiet Butscha auf. Auch in anderen Regionen soll es Untersuchungen geben.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba forderte wegen zunehmender Belege für an Zivilisten verübte Gräueltaten härtere Sanktionen gegen Russland. Er sprach von einem Massaker an Zivilisten. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft kündigte Untersuchungen an. „Das ist eine Hölle, die dokumentiert werden muss, damit die Unmenschen, die sie geschaffen haben, bestraft werden“, schrieb Wenediktowa auf Fb.

Die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Nicola Beer, fordert ein „Sonderkriegsverbrecher-Tribunal ähnlich wie bei den Jugoslawien-Kriegen“ gegen die Verantwortlichen. „Für uns alle ist die Monstrosität dieser Taten unbegreiflich“, sagte die FDP-Politikerin bei Bild-TV. „Das sind schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das sind Kriegsverbrechen.“

Polens Präsident Andrzej Duda twitterte zu den Verbrechen in Butscha: „Kriminelle müssen als Kriminelle bezeichnet, vor Gericht gestellt und verurteilt werden.“ Die Bilder aus der Stadt widerlegten die Annahme, „dass wir um jeden Preis einen Kompromiss suchen müssen.“ Er forderte „Waffen, Waffen und noch mehr Waffen“ für die Ukraine.

„Angriffe auf unschuldige Zivilisten und zivile Infrastruktur sind Kriegsverbrechen“, twitterte der australische Regierungschef Scott Morrison am Montag. „Russland muss und wird für die Aktionen seiner Streitkräfte zur Rechenschaft gezogen werden.“

Ukraine-Krieg – Charkiw

In der Stadt Charkiw greift die russische Armee Wohnhäuser von Zivilisten an.



(Foto: dpa)

Tote und Verletzte in Charkiw

In der ostukrainischen Millionenstadt Charkiw wurden unterdessen nach ukrainischen Angaben 34 Menschen durch russischen Beschuss verletzt. Mindestens sieben Menschen seien getötet worden, schrieb die Staatsanwaltschaft der Area auf Telegram. Unter den Verletzten waren demnach drei Kinder.

In der westukrainischen Stadt Ternopil soll es einen Luftangriff gegeben haben. Die nordukrainische Stadt Tschernihiw ist nach Angaben des dortigen Bürgermeisters inzwischen zu 70 Prozent zerstört.

Russland bestätigte derweil mehrere Luftangriffe auf Militäreinrichtungen und Treibstofflager in Regionen Kiew und Mykolajiw. Unweit von Kiew sei in Wassylkiw ein Kontrollzentrum der Luftwaffenbasis zerstört worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow.

Ukraine: Russische Truppen ziehen sich aus Area Sumy zurück

Russische Truppen sollen damit begonnen haben, sich aus der ostukrainischen Area Sumy zurückzuziehen. Es sei aber noch zu früh, um von einer Befreiung der Area zu sprechen, sagte der Chef der Gebietsverwaltung von Sumy, Dmytro Schywyzkyj, der Agentur Unian zufolge in der Nacht zu Montag in einer Videobotschaft.

Die ukrainische Hafenstadt Mariupol ist nach Ansicht der britischen Militäraufklärung „höchstwahrscheinlich“ ein Schlüsselziel der russischen Invasion in die Ukraine. Mit der Einnahme der weiterhin schwer umkämpften Stadt könnte eine direkte Landverbindung zwischen Russland und der besetzten Halbinsel Krim hergestellt werden, verlautete in der Nacht zum Montag aus einem Replace des britischen Verteidigungsministeriums unter Berufung auf Geheimdienstinformationen.

Russlands bisher einzige Verbindung vom Festland zur Halbinsel ist eine Brücke über die Meerenge von Kertsch. Mariupol bleibe weiterhin Ziel „intensiver und wahlloser“ Angriffe.

Weitere aktuelle Berichte zum Krieg:

Tausenden gelingt Flucht aus umkämpften Städten

Mehr als 2600 Menschen wurden nach ukrainischen Angaben am Sonntag aus besonders umkämpften ukrainischen Städten in Sicherheit gebracht. Von den 2694 Menschen seien quick 1500 aus der Area Luhansk gerettet worden, sagte die ukrainische Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk nach Angaben der Zeitung „Ukrajinska Prawda“.

Der ukrainische Generalstab erwartet verstärkte Angriffe auf Donezk und das Dorf Tawrytscheske im Osten des Landes. Er teilte in der Nacht zu Montag außerdem mit, dass Russland einzelne Einheiten aus Belarus nach Russland verlege.

Wirtschaftsminister Habeck kündigt zügige weitere Sanktionen an

Weitere Sanktionen der EU gegen Russland werden nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck noch in dieser Woche kommen. Das dann fünfte Sanktionspaket könne Maßnahmen umfassen „in der ganzen Bandbreite von persönlichen Sanktionen gegen weitere Menschen aus dem Putin-Regime über technische Güter; den Finanzmarkt werden wir uns auch noch einmal anschauen“, sagte er im ZDF.

Mehr: „Das ist Völkermord“: Schockierte Reaktionen auf Russlands mutmaßliche Kriegsverbrechen

Mit Agenturmaterial



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