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Vier Unterhosen sind zu viel für eine Woche Lissabon


Ich stand schon vor der Tür meiner Unterkunft in Lissabon, als ich es bemerkte: Mein Koffer conflict weg. Ein paar Minuten zuvor conflict ich aus dem Bus ausgestiegen, der mich in die Innenstadt fuhr. Ein Bus der Linie 735. Eine Zahl, die ich nie wieder vergessen werde. Ich rannte zurück auf die Straße, hielt den nächsten Bus der Nummer 735 an. Der Fahrer kontaktierte seine Kollegen. Nichts. Ich blieb noch eine Stunde an der Haltestelle stehen, fragte in jedem 735er nach meinem Koffer. Dann verbrachte ich eine schlaflose Nacht und einen scheußlichen nächsten Tag, an dem ich mich immer wieder fragte, wie das hatte passieren können. Ach, und ich hatte mir am selben Abend eine Zahnbürste und Zahnpasta gekauft.

In einem Lädchen, wie es sie in Deutschland kaum noch gibt, besorgte ich mir tags darauf vier Unterhosen. Drei Euro professional Stück. Zwei alte Männer standen hinter der Theke, ich lernte, was Unterhose auf Portugiesisch heißt: bikini. In einem anderen Geschäft erstand ich ein kurzärmliges T-Shirt, und später noch ein paar Flipflops und einen Kamm.

Ein paar Tage noch rief ich täglich beim Fundbüro der Busgesellschaft an, beschrieb jedem Mitarbeiter erneut und geduldig den Inhalt meines Koffers. „Nao“, lautete die Antwort jedes Mal. Langsam ging ich endgültig den schmerzhaften Abschied von meinem schönsten Kleid an und von dem Badeanzug, den mir meine Schwester gerade zum Geburtstag geschenkt hatte. Hoffentlich trägt wenigstens jemand die Sachen.

Ich gehörte nie zu dem Typ Reisende, die 20-Kilo-Koffer packt, aber ich stellte fest: Man kommt mit noch viel weniger aus. Im Grunde hätte ich nicht mal vier neue Unterhosen gebraucht. Zwei hätten völlig gereicht.

Es wäre übertrieben, würde ich sagen, dass ich den Verlust meines Koffers im Nachhinein als eine Befreiung von Überflüssigem erlebt habe, und der erzwungene Minimalismus zu mehr Klarheit und Ruhe in meinem Leben führte, wie es die Anhänger dieser Lebenseinstellung verkünden. Aber er lehrte mich schon, dass es einen großen Unterschied zwischen dem gibt, was man braucht und dem, was man möchte. Brauchen tut man wenig. Die nächste Packliste darf das ruhig reflektieren.

Als mich Bekannte, die ich auf der Rückreise am Flughafen traf, nach meinem Koffer fragten, hielt ich meine mit Brokkoli-Köpfen bedruckte Plastiktüte der portugiesischen Supermarktkette Continente mit meinen Habseligkeiten in die Höhe. Wert: unter 30 Euro.



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