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Was die Generationen Y und Z trennt


Düsseldorf Es gibt Themen, die betreffen so gut wie jeden: Klimawandel, soziale Ungleichheiten, Digitalisierung, der sich wandelnde Arbeitsmarkt. Gleichzeitig aber gibt es bemerkenswerte Unterschiede zwischen den Generationen: Manche Erwachsene von heute kennen kein Leben ohne „Big Tech“ wie Google, Facebook, Instagram und Co. und hatten schon als Kinder ein Smartphone in der Hand. Nur wenig ältere hingegen kennen noch eine Kindheit ganz ohne Internet, Computer und Handys.

Die beiden Bücher „Generation Z“ von Valentina Vapaux und „Die Geschmeidigen“ von Nora Bossong bieten einen Einblick in die Realitäten zweier Frauen unterschiedlicher Altersgruppen: einer jungen Journalistin, Bloggerin und Dichterin, die über ihr Leben unter heute 19- bis 25-jährigen Social-Media-affinen, feministischen und politischen jungen Menschen schreibt. Und einer Romanautorin, die von ihrer Generation der zwischen 37- und 47-Jährigen erzählt, mit dem Eisernen Vorhang, dem Mauerfall und den bunten 90ern.

„Generation Z“ versetzt den Leser in die poetische Gedankenwelt der Autorin. Das Buch liest sich wie das Tagebuch einer jungen Frau, die viele Menschen trifft und empathisch, kritisch über die Gefühlswelt ihrer Altersgruppe und deren Weltanschauungen nachdenkt.

Der informelle, mit Anglizismen gefüllte Schreibstil bildet verständnisvoll die Verbindung zu der „Bubble“, von der aus Vapaux ihre Generation beschreibt: weltoffen, gesellschaftspolitisch, doch auch eine „sad generation with happy pictures“. Die sozialen Medien also, die junge Leute glücklich und in bester Szene erscheinen lassen, hinter denen allerdings einsame, gestresste Menschen stecken sollen, die on- und offline Möglichkeiten ohne Ende, aber ebenso viel Ungewissheit haben.

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Vieles über Influencer und die Auswirkungen von Social Media in dem Buch ist nichts Überraschendes, doch der ungefilterte Einblick in die Hoffnungen der Generation hinsichtlich Politik und Gesellschaft zieht in das Buch hinein.

Valentina Vapaux: Generation Z.
Gräfe und Unzer
München 2021
192 Seiten
14,99 Euro

In „Die Geschmeidigen“ ziehen sich ebenfalls politische und gesellschaftliche Ereignisse als roter Faden durch das Buch: Wiedervereinigung, Tschernobyl, Dotcom-Blase und das Wohlstands- und Friedensbestreben in den 90ern. Dazu thematisiert Bossong, wie ihre Generation geprägt wurde von Unruhen – durch die Ereignisse am 11. September, eine zunehmend globalisierte Wirtschaftsordnung und die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland Anfang der 2000er. Bossong berichtet wie in einer Art journalistischem Journal analytisch eigene Eindrücke von der damaligen Zeit.

Welche Sorgen, aber auch Hoffnungen die um die 40-Jährigen heute haben, wird von Analysen zu Einstellungen von Politikerinnen und Politikern eher versteckt. Bossongs Zeilen lesen sich zumeist nicht wie ein Generationenporträt, sondern eher wie eine Kritik und Analyse zu wirtschaftlichen und politischen Ereignissen der vergangenen Jahrzehnte.

Die Autorin erzählt, inwiefern ihre Generation zum ersten Mal eine akute Krise – die Coronapandemie – mitbekommt, für die sie jetzt auch die Verantwortung übernimmt – und Antworten finden sollte. Annalena Baerbock, Jens Spahn und Christian Lindner zählt sie dazu, die sich plötzlich nicht nur damit konfrontiert sehen, aus einem wohlhabenden Land ein klimaneutrales wohlhabendes Land zu bauen, sondern plötzlich auch unvorbereitet vor Krisen stehen.

Einerseits vermittelt Bossong, ihre Generation wäre kaum radikal in politischen Forderungen, wäre eher geprägt vom starken Streben nach Wohlstand vor allem zu Beginn der 2000er. Andererseits ist ihre Generation aber wohl die letzte, die bei der Klimakrise noch vergleichsweise besonnen durchgreifen und Dinge verändern kann und die eine besondere Verantwortung trägt – ebenjene Generation, die Bossong als die „Angepassten“, die „Stillen“ bezeichnet, die ihre Jugend in den behüteten 90ern verbrachte. Eine Generation, die zwischen einem trägen „Weiter-so“ der Älteren und der Umsturzwut der Jüngeren vermitteln könne.

Nora Bossong: Die Geschmeidigen.
Ullstein Verlag
Berlin 2022
240 Seiten
19,99 Euro

Parallelen zur heutigen Generation Z finden sich einige. Etwa, dass beide in ihren Lebenswelten einen Zwiespalt zwischen Selbstverwirklichung und Verantwortung sehen. Vapaux vermittelt, ihre Generation stelle kaum noch infrage, ob man für das Klima auf die Straße gehen solle oder ob Gleichberechtigung eine Option sei. Sie erzählt von einer politisch aktiven jungen Altersgruppe, die Veränderung vorantreiben will und die Stillstand beängstigt.

Daneben sind es die Onlinemedien im „Spätkapitalismus“, die die Jungen triezen: Wer sich zu dick fühlt, kann sich eine Fitness-App herunterladen, wer sich allein fühlt, eine Dating-App, wessen Haut nicht glatt genug ist, würde bald eine Werbung für das neueste Make-up sehen.

Es ist herauszulesen, dass Vapaux soziale Medien als unvermeidlichen Teil ihres Lebens sieht, dass sie auch den teils immensen sozialen Druck spürt, der mit Schönheitsidealen, Selbstoptimierung und einem „perfekten“ Leben auf Instagram, Tiktok und Co. einhergeht.

Doch sie hinterfragt ihn auch, gibt Tipps, wie sich junge Menschen vom Zwang befreien können, immer online zu sein und ihren Dopaminspiegel mit Bildern und Likes in den sozialen Medien befriedigen zu wollen.

Widersprüche in den Lebenswelten

Vapaux beschreibt den Widerspruch aus einem Streben nach einer gerechten, chancengleichen Welt auf der einen und einer Welt mit Leistungsdruck und Einsamkeit auf der anderen Seite. Für Bossongs Generation sind die sozialen Medien dagegen nur „ein weiterer Schritt auf dem Weg ins eigene Leben“.

Ihre Generation musste sich erst daran gewöhnen, sich privat und auch professionell in sozialen Medien darzustellen. Aufgewachsen in einer analogen Welt, wurde sie zunehmend in einer digitalen Welt erwachsen. Sie betrachtet vor allem den Einfluss sozialer Medien auf Demokratie und Politik. Desinformation könne ein beträchtliches Mittel zur Radikalisierung sein.

Vapaux hingegen erörtert auch positive Seiten von sozialen Netzwerken: Sie seien auch eine Chance für interessante Begegnungen oder inspirierende Ideen, die ihr vielleicht offline nie begegnet wären.

Wahrscheinlich werden sich die jeweiligen Altersgruppen in „ihrem“ Buch beim Lesen wiederfinden und im jeweils anderen etwas fremd fühlen. Ein Blick in beide Bücher aber zeigt: Bei den drängenden Fragen unserer Zeit liegen die Lebenswelten gar nicht so weit auseinander.

Mehr: „Ihr Vorgänger hat das ja anders gelöst“: So kontern junge Chefs Killerargumente älterer Mitarbeiter.



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