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Wie die Schröders sich zu Kriegszeiten auf Instagram inszenieren


Alles fing an mit dem Guess-Emoji. Oder hat Soyeon Schröder-Kim etwa nicht versucht, ihn nachzustellen, im Hintergrund die Basilius-Kathedrale im Fenster, die Augen demütig nach unten geschlagen, und die Hände eben gefaltet, Emoji-Type? Ja, sie betete vorgeblich dafür, dass ihr Gerhard den bösen Herrn Putin, den „lupenreinen Demokraten“, mal wieder zur Vernunft bringen möge.

Nachträglich könnte man aber meinen, dass es sich hier vor allem um die Inszenierung der nie von finanziellen Interessen geleiteten eigenen Moralvorstellungen handelte. Schließlich blieben die Gespräche ergebnislos, und zurück bleibt der schale Nachgeschmack, Schröder habe vielleicht nicht nur mit guten Absichten gehandelt, sondern auch in der Hoffnung, seinen Ruf noch irgendwie zu retten.

Eine eigenwillige Interpretation der Dinge

Vergeblich. Nach den Gesprächen mit seinem alten Kumpel hagelte es Kritik gegen den ehemaligen Bundeskanzler. Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk erklärte Schröders Bemühungen für gescheitert. Man habe durchaus Hoffnung auf Resultate gehabt, doch die Ergebnisse seien „nutzlos“ gewesen. Auch das Wort „Trauerspiel“ fiel. Das Magazin „Politico“ hatte zuvor berichtet, Schröder habe auf Wunsch der Ukraine gehandelt. Die Ukraine wiederum teilte mit: Schröders Reise warfare Schröders Idee. Und Schröder kam nun einer Aberkennung seiner Ehrenbürgerschaft in Hannover voraus, indem er sie selbst schnell zurückgab. Schon vier SPD-Verbände fordern nun offiziell Schröders Parteiausschluss.

Und Soyeon Schröder-Kim teilt am Mittwoch auf ihrem Instagram-Kanal wieder ein Bild: Ein Arbeiter auf einem Baugerüst schickt sich an, einem anderen von hinten einen Tritt in den Allerwertesten zu versetzen, woraufhin wohl beide in die Tiefe stürzen werden – sie stehen auf einem ausbalancierten Brett. Dazu der etwas pathetische Satz: „Manche Menschen sind sich der Konsequenzen ihres Handelns nicht bewusst.“ Schröder-Kim selbst schreibt dazu: „SPD in Aktion oder….“ Wie bitte? Dass Schröder nun vollkommen unschuldig von seinen Kollegen hinabgeschubst wird, ist dann doch eine recht eigenwillige Interpretation der Dinge. Sein Vermittlungsversuch magazine ja ehrenwert gewesen sein, die Enttäuschung in der Ukraine und der SPD über deren Scheitern aber umso verständlicher. Und was das Bild über den Werdegang der SPD, die ja in Schröder-Kims Augen ebenfalls in den Abgrund stürzt, sagen soll, ist ungewiss.

Der Account von Schröder-Kim ist ein anschauliches Beispiel dafür, dass Menschen sich immer mal wieder von politischen Persönlichkeiten angezogen fühlen, die den Schuss nicht gehört haben, nicht nur in Amerika. Viele lobpreisen Schröder in den Kommentaren für sein Wirken. Und sein treuester Fan ist natürlich die eigene Frau. Der Account ist aber auch ein Zeichen dafür, welche Probleme die sozialen Medien in Krisenzeiten bereiten.

Ein Slide Krieg, dann ein Werbe-Submit

Schon während der Corona-Pandemie wimmelte es dort nur so von Faux-Information und Verschwörungstheorien. Viele Influencer gaben sich betont unpolitisch, um keine Impfgegner unter den Followern zu verprellen. Und in Zeiten des Kriegs stehen viele Menschen, die ihr Geld damit verdienen, schöne Dinge in die Kamera zu halten, im Regen. Wer wirbt gern für stylische Klamotten oder Sportmatten, wenn der Frieden in Gefahr ist? Wer zeigt seine Schminkroutine oder Health-Tipps, wenn in der Ukraine Menschen sterben und Kliniken bombardiert werden? Viele Influencer solidarisieren sich in einem Slide mit der Ukraine, posten im nächsten dann Werbung für den neuen Eiweißriegel. Als ob die Welt gerade Eiweißriegel bräuchte.

Dann wiederum helfen die sozialen Medien dabei, Hilfsgüter zu sammeln oder Informationen zu einer sicheren Flucht zu verbreiten. Sie vernetzen Menschen in verschiedenen Ländern miteinander, ermöglichen Austausch, wo es sonst keinen Austausch geben würde – zumindest dann, wenn das Web nicht von der Regierung reguliert wird. Viele junge Russinnen und Russen posteten auf Instagram die Wahrheit über den Angriffskrieg auf die Ukraine – in Russland eine Straftat.

Die Schröders dagegen halten an ihren eigenen Regeln und ihrer eigenen Wahrheit fest. Ja, auch sie verurteilen den Krieg öffentlich. Und Schröder gibt auch seinen Posten ab – allerdings nicht bei Rosneft, sondern beim deutschen Unternehmen Herrenknecht. Ist das dann konsequent?



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